Lese-Splitter & Denk-Anregungen


Seite 1 von 3
Neuester Beitrag: 19.10.22 20:43
Eröffnet am:06.06.15 13:01von: boersalinoAnzahl Beiträge:66
Neuester Beitrag:19.10.22 20:43von: boersalinoLeser gesamt:12.353
Forum:Talk Leser heute:1
Bewertet mit:
12


 
Seite: < 1 | 2 | 3 >  

58425 Postings, 4910 Tage boersalinoLese-Splitter & Denk-Anregungen

 
  
    #1
12
06.06.15 13:01
"Dabei verändert die Verwendung von Präzisionslenkwaffen, auf die sich solche Einsätze stützen, das Wesen der Kriegführung selbst, insofern durch sie die Einheit von Töten und Sterben, wie sie im klassischen Typus des Soldaten verkörpert war, aufgehoben worden ist. Diese Waffen stellen eine Ungleichverteilung von Töten und Sterben her, die noch deutlich über die der Schlacht von Omdurman [Sudan, 1898] hinausgeht. Der Pilot eines Kampfbombers oder die Besatzung eines Kriegsschiffes, von dem aus Tomahawk-Raketen abgefeuert werden, befinden sich außerhalb der Reichweite gegnerischer Waffen. Der Krieg hat hier alle Charakteristika der klassischen Duellsituation verloren und sich, zynisch gesagt, gewissen Formen der Schädlingsbekämpfung angenähert."

[Herfried Münkler, Die neuen Kriege (2002), S. 234]

Etwas weiter gedacht bedeutet dieses völlige Fehlen einer persönlichen Bedrohungssituation beim einzelnen Soldaten eben auch einen besonders hoch motivierten persönlichen Zynismus beim Knopfdruck-Schlachten.  
40 Postings ausgeblendet.
Seite: < 1 | 2 | 3 >  

58425 Postings, 4910 Tage boersalino"Ein Nashorn für den Papst" IV

 
  
    #42
24.11.20 21:46

Höllentumult.

So lief es meistens ab. Nachdem die unseligen Dörfler ihre widerstrebenden Retter beschworen hatten, zu bleiben, stellte man Wachtposten auf und riet Reisenden auf den Straßen, die zum Dorf führten, andere Pfade einzuschlagen.
Dies taten Männer, die angeblich vor einer schrecklichen Seuche zitterten, die eine Tagesreise entfernt ungehemmt wütete.
Sie blieben einige Tage, allerhöchstens eine Woche, doch war es jener erste Augenblick, jene Krise des Entsetzens, in der die friedliche Welt der Dörfler zusammenzubrechen und ihnen um die Ohren zu fliegen schien, der, wie Il Capo das nannte, die beste Ernte ergab.
Ringe wurden von Fingern oder Hälsen gestreift. Kleine Dosen wurden aus dem gestampften Lehm der Böden armseliger Hütten gegraben, ihr Inhalt magisch dargeboten. Manchmal gab es da einen oder zwei Steine, oft genug falsche, aber rührend, und sie wurden angenommen.
Danach ein langsamer Niedergang.

[Lawrence Norfolk - Ein Nashorn für den Papst. S. 122 f.]

 

58425 Postings, 4910 Tage boersalinoLesen bildet

 
  
    #43
1
24.11.20 21:47

58425 Postings, 4910 Tage boersalinoDer ehrßde Schlugg iß imma der geijlßde!

 
  
    #44
25.11.20 09:11
"Diego dachte an einen Eimer Wasser, aber bevor er seinen Gedanken ausführen konnte, begann irgendwo inmitten des menschlichen Haufens, der Kapitän Alfredo war, ganz langsam eine Eruption, eine Folge von Gebrummel, Geächz und Gestöhn, das Knirschen erodierter Sehnen und das Knarzen alter Knochen, als sich die steifen Muskeln beugten und streckten, schnapsverkleisterte Blutgefäße venöse und arterielle Flüssigkeiten in schlafende Extremitäten pumpten und lebenswichtige Organe sich an ihre Funktionen zu erinnern suchten. Speicheldrüsen sonderten eine schleimige Paste ab, vor der die Zunge zurückzuckte, und Verdauungssäfte tröpfelten zu einem Präventivschlag gegen den erwarteten "Ersten Schluck des Tages" in den leeren Magen. Ein Furz ließ seinen müden Trompetenton hören, und dann begann der Kampf gegen die Schwerkraft. Die Glieder begannen sich zu regen: ein Bein, ein zweites Bein, ein Arm, ein zweiter Arm... Eine von Stöhnen erfüllte Minute später war Kapitän Alfredos Kopf oben und seine Füße unten. Technisch gesehen, stand er aufrecht."


[Lawrence Norfolk - "Ein Nashorn für den Papst". S. 597]  

58425 Postings, 4910 Tage boersalinoGibt es überhaupt etwas?

 
  
    #45
13.12.20 08:06
Der Erste Weltkrieg war gerade erst beendet:
[...]
Man muß diesen Hintergrund sehen, um den Gestus der Radikalität zu verstehen, der die beginnenden zwanziger Jahre auf allen Gebieten kennzeichnet. Weil der Tod auf so furchtbare Weise ins allgemeine Bewußtsein gedrungen war, konnte er jetzt nicht verdrängt oder überspielt werden.
Gibt es überhaupt etwas?, hatte Heidegger gefragt. Er nennt diese Frage selbst 'kümmerlich', fordert aber, bei dieser Kümmerlichkeit auszuharren, denn:
"Wir stehen an der methodischen Wegkreuzung, die über Leben und Tod der Philosophie überhaupt entscheidet, an einem Abgrund: entweder ins Nichts, d.h. der absoluten Sachlichkeit, oder es gelingt der Sprung in eine andere Welt, oder genauer überhaupt in eine Welt."
[...]
Die Wertphilosophie ist als Kulturphilosophie des bürgerlichen Kantianismus  eine Theorie der geltenden Normen und des herrschenden "Sollens". Sie fragt nicht radikal genug zurück, was diese Normen sind, für wen sie warum gelten, welche Seinsart den 'Subjekten' zukommt, die sie befolgen. Heidegger geht in seiner typischen Weise gleichsam auf den Nullpunkt zurück; wir (als Philosophierende) können so fragen. Wenn wir dies vergessen, dann "verleugnen wir ... uns selbst. Nehmen wir an, wir wären überhaupt erst nicht da. Nun, dann gäbe es die diese Frage nicht."
Das heißt: Der radikale Rückgang auf die Möglichkeit des Fragens selbst enthüllt als verborgene Voraussetzung unser eigenes Sein. ['Interrogo, ergo sum' - eine fragwürdige Neufassung des cartesianischen Diktums. Anm. boers.]
[...]
Das Sein ist also angewiesen auf Seiendes, um überhaupt gedacht werden zu können.

[Thomas Rentsch - Martin Heidegger: Das Sein und der Tod. (1989) S. 56 f.]  

58425 Postings, 4910 Tage boersalinoHeidegger - Ontologie (Hermeneutik d. Faktizität)

 
  
    #46
17.12.20 19:19

Vorwort

Fragen vorlegen; Fragen sind keine Einfälle; Fragen sind auch nicht die heutigen »Probleme«, die »man« aus dem Hörensagen und aus Angelelenem aufgreift und mit der Geste des Tiefsinns ausstattet. Fragen erwachsen aus der Auseinandersetzung mit den »Sachen«. Und Sachen sind nur da, wo Augen sind.

Einige Fragen müssen dergestalt hier »gestellt« werden, um so mehr, als heute das Fragen außer Brauch gekommen ist bei dem großen Betrieb mit  »Problemen«.
Noch mehr, man ist heimlich dabei, das Fragen überhaupt abzuschaffen, und meint, die Bedürfnislosigkeit des Köhlerglaubens hochzuzüchten. Man erklärt das sacrum als Wesensgesetz und wird dabei von seinem Zeitalter, das in seiner Brüchigkeit und Marklosigkeit Bedürfnisse dafür hat, ernst genommen. Man steht für nichts mehr ein als für die Reibungslosigkeit des «Betriebes«! Mündig geworden für die Organisation der Verlogenheit.

[Martin Heidegger (1923) - Gesamtausgabe, II. Abteilung: Vorlesungen. Bd. 63 Ontologie (Hermeneutik der Faktizität)]
Kursivsetzungen sind originalgetreu/boers.



 

10 Postings, 1208 Tage KorbienaLöschung

 
  
    #47
24.12.20 14:03

Moderation
Zeitpunkt: 24.12.20 14:50
Aktionen: Löschung des Beitrages, Nutzer-Sperre für immer, Beitrag wird nicht mehr angezeigt.
Kommentar: Erotische Inhalte

 

 

10 Postings, 1207 Tage VestebaaLöschung

 
  
    #48
25.12.20 08:04

Moderation
Zeitpunkt: 25.12.20 09:01
Aktionen: Löschung des Beitrages, Nutzer-Sperre für immer
Kommentar: Regelverstoß

 

 

58425 Postings, 4910 Tage boersalinoNaturalia non sunt turpia

 
  
    #49
26.12.20 06:11

141 Postings, 1208 Tage TorydonnaLöschung

 
  
    #50
27.12.20 03:02

Moderation
Zeitpunkt: 27.12.20 12:01
Aktionen: Löschung des Beitrages, Nutzer-Sperre für immer, Beitrag wird nicht mehr angezeigt.
Kommentar: mehrfach gesperrte Nachfolge-ID

 

 

656 Postings, 1208 Tage DronatiaLöschung

 
  
    #51
30.12.20 04:19

Moderation
Zeitpunkt: 30.12.20 13:19
Aktionen: Löschung des Beitrages, Nutzer-Sperre für immer, Beitrag wird nicht mehr angezeigt.
Kommentar: Erotische Inhalte

 

 

1239 Postings, 1207 Tage JoangleaLöschung

 
  
    #52
31.12.20 02:02

Moderation
Zeitpunkt: 31.12.20 10:22
Aktionen: Löschung des Beitrages, Nutzer-Sperre für immer, Beitrag wird nicht mehr angezeigt.
Kommentar: Erotische Inhalte

 

 

58425 Postings, 4910 Tage boersalinoDicit ei Pilatus: “ Quid est veritas?

 
  
    #53
31.12.20 20:12

Ich soll denken, sagt man, weil die Wahrheit eine  >Norm< für mich ist, darnach ich mich zu richten habe, weil ich zu haltbaren Erkenntnissen kommen soll. Und warum ist Wahrheit eine  >Norm< und nicht eine Falschheit? Weil Wahhrheit ein Wert ist. Und warum ist Wahrheit ein Wert?
Die Philosophie von den Werten, die Wertphilosophie als Wissenschaft von den allgemeingültigen Werten gibt darauf keine Antwort ... [Das lässt sich nur transzendentalpragmatisch begründen (wenn überhaupt) - vergl. Niklas Luhmann].

Was heißt nun Wahrheit? Wahrheit, sagt man, ist eine Bestimmung, die Urteilen, Erkenntnissen, Sätzen zukommt oder nicht. Ein Urteil ist wahr oder falsch, und es ist wahr, wenn es mit dem Gegenstand, nach dem es sich richtet, übereinstimmt.
Was heißt:  sich richten nach einem Gegenstand? Und was heißt: Gegenstand? Etwas überhaupt.

[M. Heidegger - Wissenschaft als Bedeutungszusammenhang, § 16, Wissenschaft als konkrete Logik, S. 73]

 

2983 Postings, 1207 Tage WinsloaLöschung

 
  
    #54
31.12.20 22:13

Moderation
Zeitpunkt: 01.01.21 10:33
Aktionen: Löschung des Beitrages, Nutzer-Sperre für immer, Beitrag wird nicht mehr angezeigt.
Kommentar: Erotischer Inhalt

 

 

1649 Postings, 1207 Tage CiencelyaLöschung

 
  
    #55
02.01.21 01:15

Moderation
Zeitpunkt: 02.01.21 10:35
Aktionen: Löschung des Beitrages, Nutzer-Sperre für immer, Beitrag wird nicht mehr angezeigt.
Kommentar: Erotischer Inhalt

 

 

1794 Postings, 1207 Tage GgiercaLöschung

 
  
    #56
03.01.21 04:43

Moderation
Zeitpunkt: 03.01.21 10:17
Aktionen: Löschung des Beitrages, Nutzer-Sperre für immer, Beitrag wird nicht mehr angezeigt.
Kommentar: Erotischer Inhalt

 

 

1717 Postings, 1208 Tage RetiselaLöschung

 
  
    #57
05.01.21 01:33

Moderation
Zeitpunkt: 05.01.21 13:47
Aktionen: Löschung des Beitrages, Nutzer-Sperre für immer, Beitrag wird nicht mehr angezeigt.
Kommentar: Regelverstoß

 

 

1416 Postings, 1196 Tage AngeliriaLöschung

 
  
    #58
07.01.21 06:03

Moderation
Zeitpunkt: 07.01.21 12:21
Aktionen: Löschung des Beitrages, Nutzer-Sperre für immer, Beitrag wird nicht mehr angezeigt.
Kommentar: Regelverstoß

 

 

1937 Postings, 1196 Tage ElezonnaLöschung

 
  
    #59
08.01.21 06:46

Moderation
Zeitpunkt: 08.01.21 08:18
Aktionen: Löschung des Beitrages, Nutzer-Sperre für immer, Beitrag wird nicht mehr angezeigt.
Kommentar: Erotischer Inhalt

 

 

1177 Postings, 1194 Tage JulleziaLöschung

 
  
    #60
09.01.21 05:49

Moderation
Zeitpunkt: 09.01.21 11:45
Aktionen: Löschung des Beitrages, Nutzer-Sperre für immer, Beitrag wird nicht mehr angezeigt.
Kommentar: mehrfach gesperrte Nachfolge-ID

 

 

1221 Postings, 1190 Tage MobiannaLöschung

 
  
    #61
13.01.21 04:53

Moderation
Zeitpunkt: 13.01.21 07:48
Aktionen: Löschung des Beitrages, Nutzer-Sperre für immer, Beitrag wird nicht mehr angezeigt.
Kommentar: Erotischer Inhalt

 

 

9 Postings, 1087 Tage JulianekrtjaLöschung

 
  
    #62
24.04.21 01:30

Moderation
Zeitpunkt: 26.04.21 11:51
Aktionen: Löschung des Beitrages, Nutzer-Sperre für immer, Beitrag wird nicht mehr angezeigt.
Kommentar: Spam

 

 

9 Postings, 1087 Tage KatharinawksiaLöschung

 
  
    #63
24.04.21 13:46

Moderation
Zeitpunkt: 26.04.21 10:52
Aktionen: Löschung des Beitrages, Nutzer-Sperre für immer, Beitrag wird nicht mehr angezeigt.
Kommentar: Spam

 

 

9 Postings, 1086 Tage MandyuihbaLöschung

 
  
    #64
25.04.21 01:39

Moderation
Zeitpunkt: 26.04.21 11:01
Aktionen: Löschung des Beitrages, Nutzer-Sperre für immer, Beitrag wird nicht mehr angezeigt.
Kommentar: Spam

 

 

58425 Postings, 4910 Tage boersalinoHier gibbet Bücher-Fast-Food

 
  
    #65
29.04.22 12:18
-greifen Sie zu ...  

58425 Postings, 4910 Tage boersalinoReplik als Nabelschau?

 
  
    #66
19.10.22 20:43
"Leider ist Kunst nicht natürlich, sondern der Versuch, die eingeschliffenen Muster, Satzstrukturen und Worte, Laute, die Seh- und Hörgewohnheiten zu verändern. [Dieses Verändern ist echt ne Kunst, die er bestens beherrscht. boers.]
[...]
Sich und sein Tun so zu begreifen, ist natürlich viel weniger schick, als von sich selbst als Dichterseher zu schwadronieren, es ist mühsam und eine Arbeit, die zu keinem Ende kommt, weil sie kein Ende kennt,"

"Lieber Lord Chandos" - Antworten auf einen Brief - Andrea Paluch & Robert Habeck. S. 148]  

Seite: < 1 | 2 | 3 >  
   Antwort einfügen - nach oben