Der neue König auf dem Zuckermarkt


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Neuester Beitrag: 25.04.21 00:37
Eröffnet am: 13.12.05 18:59 von: permanent Anzahl Beiträge: 8
Neuester Beitrag: 25.04.21 00:37 von: Leahpnpsa Leser gesamt: 5.062
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20752 Postings, 6507 Tage permanentDer neue König auf dem Zuckermarkt

 
  
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7
13.12.05 18:59
HANDELSBLATT, Dienstag, 13. Dezember 2005, 18:35 Uhr


Brasiliens Produktionsvorteile


Der neue König auf dem Zuckermarkt


Von Alexander Busch


Bereits heute ist Brasilien der größte Produzent und Exporteur von Zucker und Alkohol – und hat das größte Potenzial für neue Anbauflächen. Jetzt wollen auch europäische Konzerne vor Ort investieren.  

sha HB SÃO PAULO. Er gilt in der Branche als der „Gentleman“. Ein schmaler Mann, korrekt gekleidet im dunklen Anzug. Glatze, Brille, Anfang 50. Er redet leise, ernst. Ein dünnes Lächeln setzt er auf, wenn er ein Argument besonders eloquent präsentiert – und das macht er meistens. Plinio Mario Nastari hatte Brasiliens historischen Sieg gegen die EU vorbereitet: Gemeinsam mit Thailand und Australien griff sein Land die EU-Zucker-Regelung vor der WTO in Genf an. „Vorher galten die subventionierten Zuckerexporte aus der EU als unmoralisch“, sagt Nastari und lächelt fein, „jetzt sind sie illegal.“

Seit 20 Jahren bewegt sich der Lobbyist Nastari zwischen seinem Forschungs-Institut in São Paulo und den Schaltzentren des internationalen Zuckermarktes, zwischen Genf, Washington, Brasilia und Brüssel. Trader, Investmentbanken und Verbände lesen seine Prognosen über die Entwicklung des Zucker- und Ethanol-Marktes. Wie kaum jemand sonst kennt er die brasilianischen Zuckerproduzenten. Schwerreiche Dynastien sind das, fast alle Konzerne sind in Familienbesitz. Nur Insider kennen die Namen und wissen, wer wo investiert, wer mit wem fusionieren will. „Kaum eine Branche in Brasilien ist so diskret wie der Zucker“, sagt Nastari.

Die intimen Kenntnisse sind wichtig, denn hier entscheidet sich die Zukunft der Branche: Bereits heute ist Brasilien der größte Produzent und Exporteur von Zucker und Alkohol – und hat das größte Potenzial für neue Anbauflächen. Kaum ein anderes Land kann so schnell seine Produktion ausweiten: In fünf Jahren – so erwartet Nastari – wird Brasilien 24 Mill. Tonnen Zucker exportieren. Heute sind es etwas mehr als 16 Mill. Tonnen.

Und dann der Preisvorteil: Derzeit kostet eine Tonne Zucker in Brasilien, gewonnen aus Zuckerrohr, rund 160 Dollar, mit weiter sinkenden Produktionskosten. In Europa veranschlagen die Konzerne für eine Tonne Zucker aus Rüben rund 700 Dollar. Den Liter Alkohol brennen die brasilianischen Destillen für rund 20 Cents, in Europa ist das dreimal so teuer. Wegen der hohen Ölpreise und den Klimaschutzmaßnahmen nach dem Kyoto-Abkommen wird Ethanol als alternativer Treibstoff oder zur Beimischung beim Benzin auf den Weltenergiemärkten wichtiger. Nastari rechnet damit, dass Brasilien 2010 bereits 6 Mrd. Liter exportieren wird – und im eigenen Land rund 22 Mrd. Liter zum PKW-Antrieb nutzen wird.



Im Unterschied zu fast allen Produzenten weltweit hält sich der brasilianische Staat aus dem Zuckergeschäft heraus. „Neben Australien ist Brasilien das einzige Land der Welt, das seine Zuckerproduktion nicht schützt, reglementiert oder subventioniert“, triumphiert Nastari, „unser lokaler Zuckerpreis ist der des Weltmarktes.“ Also genau das Gegenteil von Europa. Die europäische Zuckerordnung, ein regulatives Monsterwerk, garantiert Bauern und den Zuckerherstellern feste Preise und Mengen. Das Nachsehen haben die Konsumenten und industriellen Verarbeiter von Zucker, also die Softdrinkhersteller und Süßwarenkonzerne: 6,3 Mrd. Euro zahlen europäische Verbraucher mehr für Zucker als sie müssten, fand der Europäische Rechnungshof heraus.

Na und? „Wir sind doch jahrzehntelang gut mit unserem Modell gefahren, warum sollen wir das ändern?“, pocht die Lobbyistin eines der größten europäischen Zuckerkonzerne auf den Status-Quo. Die sportliche Dame mit dem Kurzhaarschnitt ist der europäische Gegenpart von Nastari. Sie ist bei den WTO-Verhandlungen dabei, begleitet deutsche Agrarminister auf Auslandsreisen – immer auf der Hut, dass sie sich nicht gegenüber gewitzten Unterhändlern aus dem Süden zu etwas verpflichten, was der eigenen Industrie schaden könnte. Mit ihrem Namen möchte sie aber nicht in der Zeitung genannt werden, das Thema Brasilien sei zu heikel im Haus.

Die Lobbyistin erklärt den Wettbewerbsvorteil des Zuckers aus Brasilien mit den „teilweise niedrigeren Standards im Sozialen und der Umwelt“. Die Subventionierung des Ethanols in Europa zum künftigen alternativen Treibstoff? „Da machen wir genau das, was die Brasilianer auch gemacht haben.“ Der unregulierte Zuckermarkt in Brasilien? „Die sollen aufhören, sich als armes Entwicklungsland aufspielen, die sind eine echte Agrarmacht.“

Doch ähneln die Argumente einstudierten Scheingefechten, die vor allem der Positionierung in der aktuellen WTO-Handelsrunde dienen. Doch die eigentliche Schlacht ist längst geschlagen: Inzwischen wollen die europäischen Zuckerkonzerne selbst in Brasilien investieren. Gelungen ist das bisher nur den französischen Gruppen Louis Dreyfus und Beghin-Say.

Aber auch Südzucker und Nordzucker, die beiden deutschen Marktführer, sowie British Sugar bekunden Interesse an Investitionen in Brasilien –um von den bislang geschmähten Vorteilen des Standortes zu profitieren? „Abstrakt betrachtet“ und „langfristig gesehen“ – so die Lobbyistin – „wird das so sein.“



EU-Zuckerreform

Zucker wird in Europa billiger. In den kommenden vier Jahren sinkt der staatlich festgelegte Zuckerpreis um insgesamt 36 Prozent - allerdings ist er dann noch immer fast dreimal so hoch wie der Weltmarktpreis. Ansonsten ändert sich mit dem EU-Zuckerabkommen vom November 2005 für die Zuckerindustrie wenig. Weiterhin wird der Markt abgeschottet, ein kompliziertes Quotensystem regelt den Zugang. Zudem wird der Zuckerindustrie der Einnahmeausfall durch Ausgleichzahlungen von 6 Mrd. Euro versüßt.

Agrarreform

Weniger Preissubventionen, dafür direkte Hilfen – so sahen alle Agrarreformen aus. Seit der jüngsten EU-Agrarreform 2003 gilt das auch für Getreide und die meisten Agrarprodukte. Bei Zucker hinkt die EU hinterher.

Ernte der Reform

Egal ob den Bauern die Ernten überteuert abgekauft werden oder ob sie ihre Subventionen nach ihrer Hektarzahl erhalten, die Wirkung ist gleich: Die Landwirte werden erst dank der Subventionen wettbewerbsfähig. Und an der Höhe der EU-Agrarsubventionen hat sich nichts geändert, im Jahr fast 50 Mrd. Euro.

Weltweiter Rekord

Damit ist Europa Rekordhalter. Die EU-Landwirte beziehen nach Berechnung der OECD 34 Prozent ihres Einkommens aus staatlichen Töpfen, in den USA sind es 17 Prozent, in Brasilien nur drei Prozent.

Gewinner Brasilien

Brasilien wäre von den 30 OECD-Mitgliedern der größte Gewinner einer Liberalisierung der Agrarmärkte. Schon heute sind ein Drittel der Exporte Agrarprodukte. Eine weltweite Kürzung der Zölle und Subventionen um 50 Prozent würde Brasilien laut OECD einen Wohlfahrtsgewinn von 1,7 Mrd. Dollar bescheren.


 

20752 Postings, 6507 Tage permanentZuckerII

 
  
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13.12.05 19:10

20752 Postings, 6507 Tage permanentZuckerIII

 
  
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14.12.05 09:29

Eine charttechnische Betrachtung wäre interessant, wer kann hier Unterstützung bieten?

gruss

permanent

 

8001 Postings, 5873 Tage KTM 950Zucker leidet unter Preisdämpfungsmaßnahmen

 
  
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15.03.06 12:15
Agrarrohstoffe
Zucker leidet unter Preisdämpfungsmaßnahmen

10. März 2006 Zwischen September des vergangenen Jahres und Anfang des Monats war Zucker eine der begeisterndsten Investment-Stories des boomenden Rohstoffmarktes. Innerhalb von nur fünf Monaten stieg der Preis um 135 Prozent und erreichte am 3. Februar ein 25-Jahres-Hoch.

Doch diese Herrlichkeit scheint nunmehr vorbei zu sein. Am Donnerstag schloß Zucker an der amerikanischen Warenterminbörse bei 16,28 Dollar und durchbrach damit nach einer Erholung zu Wochenbeginn abermals deutlich den kurzfristigen Aufwärtstrend. Rund 16 Prozent hat der Preis mittlerweile verloren.

Süße für brasilianische Auto-Technik

Der kurzfristige Preisauftrieb bei Zucker hängt weiterhin am Ölpreis. Doch der Preis für amerikanisches WTI-Öl steht unter Druck und hat seit Anfang Februar über zwölf Prozent nachgegeben. „Solange der Ölpreis hoch bleibt, bleibt auch der Zuckerpreis hoch”, sagt Richard Lucas, Analyst für Agrarrohstoffe beim Broker Ambrian Partners.

Lucas bezieht sich auf die Ersatzmöglichkeiten, die Zucker bei der Verarbeitung zu Äthanol als Treibstoff bietet und die von einem der größten Zuckeranbauern der Welt, Brasilien, bereits weidlich genutzt werden. Brasilien setzt schon seit den siebziger Jahren auf den Alternativtreibstoff und steckte anfänglich hohe Subventionen in den Aufbau der Alkoholtechnologie.

Ende der achtziger Jahre fuhren bereits neun von zehn neugebauten Autos in Brasilien mit Alkohol. Als die Ölpreise Ende der neunziger Jahre einbrachen und die Regierung die Subventionen für Alkohol strich, sank der Anteil der Schnapsautos. Doch seit Brasiliens Automobilindustrie 2003 die sogenannten Flex-fuel-Motoren einführte, die wahlweise mit Alkohol, herkömmlichem Benzin oder mit einer beliebigen Mischung aus beiden Brennstoffen betrieben werden können, steigt die Nachfrage wieder rapide an. Zuletzt entfielen bereits mehr als 70 Prozent der in Brasilien zugelassenen Neuwagen auf Autos mit Alkohol-Benzin-Mixantrieb.

Amerikaner setzen auf Mais im Tank

Auch in den Vereinigten Staaten wird Äthanol langsam zum Thema. Indes spekulieren die Amerikaner dabei verstärkt auf den einheimischen Mais, obwohl Brasilien Zuckeralkohol wesentlich preiswerter erzeugen kann. Unterstützend wirkt obendrein, daß der in den Vereinigten Staaten dem Sprit zugesetzte Stoff MTBE, der derzeit sukzessive nicht weiter verwendet wird, durch Äthanol ersetzt werden kann. Indes sind die Hoffnungen aufgrund hoher Lagerbestände für Mais doch eher gedämpft.

Was sich daran allerdings zeigt, ist, daß die Äthanol-Story noch jung ist und der Rohstoffmarkt dafür in den westlichen Ländern noch in der Entwicklung. Da Zucker gut gelaufen war, sieht man bei Mais Nachholbedarf, was auch zu Umschichtungen führt.

Der Biokraftstoff macht auch den Ölexporteuren Sorgen, und so versuchen auch diese mittlerweile, den Ölpreis nach unten zu reden. Die Grundsatzrede des amerikanischen Präsidenten Bush mit ihrer Abkehr vom Öl als alleinigem Grundstoff dürfte für mehr Sorgenfalten gesorgt haben, als gern zugegeben wird.

China wirft Zucker auf den Markt

Würden auch nur zehn Prozent der in den entwickelten Ländern zurückgelegten Straßenkilometer mit Biokraftstoffen gefahren, würde sich das nachhaltig auf den Ölpreis auswirken. Vor allem aber haben die erfolgreichen Energiesparmaßnahmen nach der ersten Ölkrise die Ölexporteure gelehrt, daß solche Entwicklungen säkular sind. Unter den Folgen haben die Länder lang genug gelitten, um es noch einmal zu riskieren.

Indes sind es nicht allein Öl und Mais, die den Zuckerpreis drücken, sondern auch die Zuckerimporteure, denen der Rohstoff mittlerweile schlicht zu teuer geworden ist. China, nach Indien der zweitgrößte Zuckerverbraucher der Welt, versucht derzeit den Preis durch Verkäufe aus den Reserven zu drücken. In dieser Woche erst hat das Handelsministerium eine Ausschreibung zur Verarbeitung von 400.000 Tonnen Rohzucker veröffentlicht, bevor diese zum Verkauf freigegeben werden. Die Hälfte davon stamme aus Regierungsbeständen.

„Die Tatsache, daß China Verkäufe aus seinen Zuckerreserven tätigt, um Preissteigerungen auf dem Binnenmarkt zu dämpfen, zeigt, daß die Nachfrage weiter hoch ist”, sagt Sudakschina Unnikrischnan, Analyst bei Barclays Capital. „Wir sind sehr bullish bei Zucker. Die Nachfrage wird das Angebot weiter überwiegen.” Unnikrischnan rechnet mit einem Preis von bis zu 21 Cents für das Pfund noch in diesem Quartal.

Auswirkungen der Zuckermarktreform noch unklar

Langfristig ist auch die Reform der EU-Zuckermarktordnung ein maßgeblicher Faktor für den Zuckerpreis. Die derzeit auslaufende Marktordnung war übrigens zumindest mit Schuld am Zusammenbruch des Zuckerpreises Anfang der achtziger Jahre, als der Preis von damals 40 Cents je Pfund unter zehn Cents fiel.

Die EU wird die Preise für Zucker von 2006/07 an deutlich um 39 Prozent auf 385,50 Euro pro Tonne senken. Diese Preise sollen bis 2014/15 gelten. Dadurch wird die Zuckerherstellung in Ländern wie Italien, Griechenland, Irland und Portugal unwirtschaftlich werden und vermutlich eingestellt. Des weiteren werden die Garantiepreise um fast 40 Prozent bis 2010 absinken und somit auch der Rübenzucker, dessen Produktionskosten weit über dem von Rohrzucker liegen, auf dem Weltmarkt an Bedeutung verlieren, auf dem er sich überhaupt nur wegen der massiven Exportsubventionen behaupten kann.

Allerdings rechnen Experten 2006 noch einmal mit einer Art „Schlußverkaufsexport”, der die Ausfuhr noch einmal um eine Million Tonnen steigern könnte, bevor die Zuckerproduktion 2007 in der EU um bis zu fünf Millionen Tonnen fallen könnte. Damit würde die EU als Exporteur vom Weltmarkt verschwinden.

Und es ist noch fraglich, ob sich dadurch ein Defizit ergeben wird. Mozambique etwa plant, die Zuckerproduktion um 23 Prozent in den kommenden drei Jahren zu steigern, und auch andere Staaten wollen die Produktion erhöhen.

Marktdefizit gegen Dämpfungsrhetorik

Nichtsdestoweniger geht die International Sugar Organisation (ISO) davon aus, daß die globale Zuckerproduktion im laufenden Jahr deutlich stärker als ursprünglich erwartet hinter der Nachfrage zurückbleiben wird. Die Lagerbestände seien niedrig und die Nachfrage in Rußland steige. Das Defizit werde im Jahr 2005/2006 bei 2,225 Millionen Tonnen liegen. Im November war die Organisation noch von 1,015 Millionen Tonnen ausgegangen.

Doch wie bei Rohstoffen im allgemeine ist auch der Zuckerpreis ein - zumindest indirektes - Politikum, wie es in den Preisdämpfungsbemühungen Chinas zum Ausdruck kommt. Rohstoffe sind Grundlagen der Volkswirtschaft. Daher haben die Staaten allgemein wenig Interesse an dauerhaft steigenden Preisen.

Das kommt nirgends besser zum Ausdruck als in allen Versuchen, Öl-, Gas- und Strompreise durch Rhetorik zu dämpfen. Gefährden die Preisanstiege Wachstum und damit auch die politische Basis, so sind Regierungen nach wie vor gewillt, in die Preisbildung einzugreifen. Geschah dies früher oft auch durch Preisstopps und Verstaatlichungen, ist man heute zu indirekten Instrumenten übergegangen. Die Freigabe von Reserven ist auch schon immer ein beliebtes Instrument der indirekten Preissteuerung gewesen.

Zucker leidet an dieser Stelle daher doppelt. Zum einen soll der Ölpreis gedrückt werden, zum anderen auch von manchen Staaten der Zuckerpreis direkt. Solange also der Druck auf den Ölpreis anhält, dürfte Zucker der Durchbruch erst gelingen, wenn Äthanoltreibstoff zum Massenmarkt wird. Das aber könnte noch eine gute Weile dauern.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Text: @mho
Bildmaterial: Associated Press, THE FORUM, FAZ.NET  

20752 Postings, 6507 Tage permanentUm Zucker ist es ruhig geworden. o. T.

 
  
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07.09.06 13:54

20752 Postings, 6507 Tage permanentZuckerpreis unter Druck

 
  
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21.11.06 11:42
HANDELSBLATT, Dienstag, 21. November 2006, 10:21 Uhr
Dramatischer Einbruch

Zuckerpreis unter Druck

Von Alexander Busch

„Der Weltzuckermarkt ist komplexer geworden“, sagt Peter Baron, Präsident der Internationalen Zuckerorganisation (ISO) in London, „die Preise werden in Zukunft stärker schwanken als bisher.“ Derzeit sieht es so aus, als würden sie erst einmal länger fallen: Seit den Höchstpreisen vom Mai ist der Preis je Tonne Zucker von fast 500 Dollar inzwischen auf 354 Dollar gesunken.


SAO PAULO. Für den Preisrückgang gibt es mehrere Gründe: Nach drei Jahren Defiziten auf dem weltweiten Zuckermarkt werden die Produzenten im gerade begonnenen Erntejahr (Oktober 2006/September 2007) erstmals wieder einen Überschuss von rund 2,2 Mill. Tonnen produzieren. Die ISO rechnet damit, dass die Weltproduktion um 3,2 Prozent auf insgesamt 156 Mill. Tonnen steigen wird. Das britische Zucker-Handelshaus Czarnikow hat gestern ebenfalls die Prognose für 2006/07 angehoben und rechnet nun mit einem Mehrangebot von 5,1 Mill. Tonnen. Den Anstieg begründet Czarnikow in seinem Monatsbericht mit dem guten Wetter und der größeren Anbaufläche. Dabei sei die höhere Produktion „eine direkte Antwort auf die höheren Preise im Jahr 2005“, schreibt Czarnikow.

Auch nach Einschätzung der Internationalen Zuckerorganisation haben die hohen Preise im ersten Halbjahr zu einer Ausweitung des Anbaus weltweit geführt. Brasilien und Indien – die zwei größten Produzenten – haben ihre Zuckerrohrfelder vergrößert und können aus klimatischen Gründen mit einer guten Ernte rechnen. Aber auch China, nach der Europäischen Union (EU) der viertgrößte Produzent weltweit, wird seine Erntemenge um 17 Prozent steigern. Gleichzeitig werden große Konsumenten ihre Importe reduzieren: Das sind vor allem Russland (minus 3,5 Prozent) und die USA (minus 29 Prozent). Beide Staaten produzieren selbst mehr Zucker und können ihren Eigenbedarf decken. Die Hoffnungen der Zuckerbranche ruhen damit heute voll auf Asien. Dort werden die höchsten Zuwachsraten des Konsums erwartet.

Überraschend ist, dass die Produktion genau dann wächst, wenn die EU als drittgrößter Produzent weltweit ihre Produktion massiv beschneidet: Rund 4,7 Mill. Tonnen Zucker weniger wird die EU in der kommenden Saison herstellen – und so versuchen, ihre traditionelle Überproduktion an den Konsum anzupassen. Der schrittweise Rückzug aus der teureren Rübenzuckerproduktion in der EU führt dazu, dass schon jetzt rund 80 Prozent allen Zuckers weltweit aus Rohr gewonnen wird. In den 80er- Jahren, als die EU noch weltweit der größte Produzent war, entstanden insgesamt 60 Prozent des Zuckers aus Rüben.

Weil die EU jetzt ihre Überschüsse nicht mehr nach Nahost und Afrika exportiert, sind dort neue Absatzmärkte für die größten Exporteure Brasilien, Australien und Thailand entstanden: Brasilien wird allein die knapp fünf Mill. Tonnen Zucker, welche die EU nun weniger produziert, auf dem Weltmarkt anbieten. Damit stellt Brasilien mit Ausfuhren in Höhe von 21 Mill. Tonnen rund zwei Drittel des Weltexportmarktes. Auf Australien, weltweit die Nummer zwei, entfällt ein Exportanteil von rund 13 Prozent.

Der Rückzug der europäischen Union aus dem Weltzuckermarkt hat darüber hinaus noch eine andere Entwicklung ausgelöst: Vor allem afrikanische und arabische Staaten haben seit zehn Jahren massiv in Raffineriekapazitäten gesteckt. Sie beziehen jetzt Rohzucker – vor allem aus Brasilien – und stellen daraus wegen der günstigen Energiekosten an ihren Standorten Weißzucker her. Inzwischen ist die Hälfte des weltweit gehandelten Zuckers der billiger zu transportierende Rohzucker.

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Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Investitionen nehmen zu

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Die neuen Raffinerien sollen den eigenen Markt beliefern, aber künftig auch die EU. Denn ab 2009 dürfen die Entwicklungsländer zollfrei Zucker an die EU verkaufen. Die EU rechnet damit, dass allein aus Afrika in vier Jahren bereits 1,5 Mill. Tonnen in die EU geliefert werden könnten. Auf maximal 2,5 Mill. Tonnen schätzt ISO-Präsident Baron die möglichen Exporte von diesen Staaten in die EU.

Dafür spricht, dass sich die großen Zuckerkonzerne auf den privilegierten Marktzugang in die EU einstellen: British Sugar expandiert nach der Übernahme des südafrikanischen Zuckerkonzerns Illovo von dort auf dem Kontinent. „Südafrika wird künftig eine wichtige Rolle für die Zuckerexporte in die EU spielen“, schätzt Baron.

Auch völlig neu auf dem Weltmarkt für Zucker ist die Korrelation mit den Benzinpreisen: Steigen die Erdölpreise, dann lohnt es sich zunehmend, Zucker in Ethanol umzuwandeln als Alternativtreibstoff. „Noch in den neunziger Jahren hatten die Preise für Öl keine Auswirkungen auf den Zuckermarkt“, beobachtet der brasilianische Zuckerexperte Plinio Nastari vom Forschungsinstitut Datagro. Dieses Jahr haben sie sich fast parallel bewegt: 85 Prozent ist der Grad der Korrelation zwischen den beiden Rohstoffpreisen inzwischen, so Datagro.


Die Investitionen nehmen zu

Brasilien
In der Zucker- und Alkoholbranche findet ein Investitionsboom statt. Brasiliens Zuckerverband Unica weiß von 77 Projekten, in denen für 15 Mrd. Dollar neue Plantagen mit Zuckermühlen und Alkoholdestillen gebaut werden. Andere Schätzungen gehen von 20 Mrd. Dollar in den nächsten zehn Jahren aus.

Investoren
Ausländische Konzerne sind daran interessiert, in Brasilien Fuß zu fassen: Sie wollen dort investieren, um ihre Produktivität zu erhöhen. Zugleich locken Brasiliens Erfahrungen mit Ethanol als Alternativtreibstoff.

Eintrittshürden
Ausländische Konzerne besitzen erst elf Zuckerfabriken von 284. Doch Brasiliens Zuckerbranche ist weder auf Kapital noch auf Know-how angewiesen. Aus Europa haben bisher die französischen Konzerne Louis Dreyfus und Tereos am stärksten investiert.

 

234007 Postings, 6329 Tage obgicouZuckermarkt vor Kollaps

 
  
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21.11.06 17:20
AKTIEN-FLASH: Südzucker stürzen ab; Spettmann: Zuckermarkt vor Kollaps/Händler
21.11.06 17:14

FRANKFURT (dpa-AFX Broker) - Aktien von SüdzuckerChart Aufruf des Aktiennavigator-Porträts sind am Dienstag kurz vor Börsenschluss um zeitweise mehr als fünf Prozent abgestürzt. Zuletzt gaben die Titel noch 4,76 Prozent auf 18,40 Euro nach. Händler verwiesen auf Aussagen von Südzucker-Vorstand Theo Spettmann auf einer Konferenz in London, wonach der Zuckermarkt wegen des Überangebotes vor dem Kollaps steht./sc ----------------------- dpa-AFX Broker - die Trader News im dpa-AFX ProFeed -----------------------  

20752 Postings, 6507 Tage permanentWo ohne Alkohol nichts mehr läuft

 
  
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08.12.06 08:54
HANDELSBLATT, Mittwoch, 6. Dezember 2006, 11:42 Uhr
Brasilien und der Biosprit-Boom

Wo ohne Alkohol nichts mehr läuft

Von Alexander Busch

Auf die Plantagen, Zuckerfabriken und Destillerien brasilianischer Unternehmer schaut plötzlich die ganze Welt. Denn sie produzieren eine Alternative zum Öl als Energieträger, die sich rechnet und gleichzeitig erneuerbar ist. Wie der Biosprit-Boom aus Brasiliens Zuckerbaronen die neuen Ölscheichs macht.


SAO PAULO. Die Herren tragen weder Ghutras als Kopfbedeckung, noch sind sie in weiße Dishdashas gewandet. Und auch die wenigen Frauen sind nicht verschleiert. Ganz im Gegenteil. Aber ansonsten ähnelt das Spitzentreffen der brasilianischen Zucker- und Alkoholbranche, das vor kurzem in einem Fünf-Sterne-Hotel in São Paulo stattfand, durchaus einer Zusammenkunft von Ölscheichs, die nicht wissen wohin mit den Dollars – und das nicht nur wegen der schier endlosen Kolonne gepanzerter Luxuswagen vor der Einfahrt. Es herrscht das entspannte Selbstbewusstsein von Unternehmern, auf deren Plantagen, Zuckerfabriken und Destillerien plötzlich die ganze Welt schaut. Denn die Zuckerbarone produzieren eine Alternative zum Öl als Energieträger, die sich rechnet und gleichzeitig erneuerbar ist.

Brasilien bietet heute für Unternehmen und Handelshäuser, aber auch für die Regierungen weltweit die Blaupause, wie eine vollständige Versorgungskette von der Zuckerplantage bis zur Tankstelle funktioniert. Denn überall haben die Brasilianer die Nase vorn: Seit Jahrzehnten forschen sie an den ertragreichsten Zuckerrohrsorten, der besten Bewirtschaftung der Plantagen und der produktivsten Verarbeitung. Jahr für Jahr pressen sie mehr Zucker und Ethanol aus den Plantagen.

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Nordwestlich der Metropole São Paulo beginnen diese Plantagen. Aus den endlosen grünen Meeren ragen in manchen Gebieten alle Dutzend Kilometer die Zuckerfabriken und Destillerien heraus. Inzwischen arbeiten sie 220 Tage im Jahr – statt wie früher noch 150. Während der Erntesaison, die jetzt bald zu Ende geht, versorgt eine unendliche LKW-Kette die Mühlen: Haushoch beladen mit den süß-klebrigen Stängeln fahren Lastwagen mit zwei Anhängern von morgens um sechs bis zum Sonnenuntergang von den Feldern zu den Mühlen.

Selbst die Energie für den Betrieb der Fabriken erzeugen die brasilianischen Produzenten inzwischen selbst, indem sie die Bagasse, die ausgedrückten Zuckerrohrfasern, verbrennen. Schon jetzt kostet die Produktion einer Tonne Zucker in Brasilien, dem weltgrößten Exporteur, nur rund 160 Dollar. In Europa kommt die Produktion aus Rüben auf rund 700 Dollar. Den Liter Alkohol brennen die brasilianischen Destillerien für rund 0,20 Dollar, in Europa kostet das dreimal so viel.

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Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie ein Familieunternehmen zum größten Zuckerexporteur der Welt aufsteigt.

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„Zucker, das wird immer unsere Cash-Cow bleiben“, sagt Eduardo Pereira de Carvalho, Präsident von Unica, dem mächtigen Zuckerverband São Paulos. Der kleine aufgedrehte Herr mit dem großen Schnurrbart und der von vielen Zigaretten angerauten Stimme ist der einflussreichste Verbandsfürst der brasilianischen Zuckerindustrie. Seine Augen blitzen, als er hinzufügt: „Aber Ethanol, das hat unserem Geschäft die Dynamik gebracht.“

Zustimmendes Gemurmel im Hotelsaal, in dem es trotz der 600 Teilnehmer fast familiär zugeht. Man kennt sich: Wenn „Ricardo“ sich im Publikum zu Wort meldet, dann gibt „Eduardo“ auf der Bühne das Wort an „André“ im Saal weiter – und alle wissen selbstverständlich, wer da spricht. Viel weißes Haar, ausgeruhte Gesichter, reife Rhetorik – aber auch die Söhne und Neffen klappern schon selbstbewusst mit ihren Schweizer Uhren, wenn sie ihre Blackberrys befingern. Auf der Teilnehmerliste finden sich die für Brasiliens Oberschicht typischen Familienclans, wo Vater, Sohn und Enkel alle die gleichen Vor- und Nachnamen tragen, nur durch den Zusatz, „filho“ (Sohn) oder „neto“ (Enkel) zu unterscheiden sind.

Der Erfolgreichste unter ihnen ist Rubens Ometto (56), dessen Familie seit der Einwanderung aus Venetien im Zuckergeschäft tätig ist. Ometto und seinen Konzern Cosan kannten bis vor kurzem nur Branchenexperten. Das Familienunternehmen kaufte in den letzten Jahren stillschweigend eine brasilianische Plantage und Mühle nach der anderen. Inzwischen ist der Konzern der größte Zuckerexporteur der Welt. Mit 2,5 Millionen Tonnen Zucker produziert der Agrokonzern etwa halb so viel wie Südzucker, die Nummer eins in Europa. Doch anders als beim Mannheimer Konzern wird Zucker in Brasilien weder subventioniert noch geschützt. Der brasilianische Zuckerpreis ist der des Weltmarktes. 2005 ging der Konzern an die Börse, als erster Agrokonzern seit langem weltweit: Vor allem ausländische Investoren griffen begeistert zu. Der studierte Verfahrenstechniker Ometto ist seither Milliardär.

Die Investoren interessiert vor allem das Wachstumspotenzial von Ethanol aus Zuckerrohr. Denn seitdem der Ölpreis so stark gestiegen ist und nachhaltige Alternativtreibstoffe gesucht werden, ist Ethanol gefragt. Weltweit zwingen immer mehr Regierungen die Ölgesellschaften per Gesetz dazu, Ethanol dem Benzin beizumischen. In Nordamerika und Asien wird der Bedarf an Importethanol am stärksten steigen. Aber auch Europa wird Biosprit einführen müssen.

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Lesen Sie weiter auf Seite 3: Wie brasilianische Unternehmer eine flächendeckende Versorgung mit Ethanol aufbauen.

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Doch wie baut man eine flächendeckende Versorgung mit Ethanol auf? Auch dabei besitzen die Brasilianer das entscheidende Know-how: Denn im Amazonasland gibt es schon seit drei Jahrzehnten Alkohol an den Tankstellen. Nach den Ölschocks der 70er-Jahre hatten die damals regierenden Militärs den Alkohol aus Zuckerrohr als Alternative für importiertes Benzin entdeckt. Zeitweise tankte die gesamte brasilianische Autoflotte Schnaps. Inzwischen hat die Autobranche so genannte Flex-Fuel-Motoren entwickelt, die mit jeder Mischung aus Benzin und Alkohol fahren können – und der Verbrauch ist förmlich explodiert. Nur wenn der Ölpreis langfristig unter 37 Dollar sinken sollte, wird Benzin wieder billiger als Alkohol aus brasilianischem Zuckerrohr.

In Brasiliens Zucker- und Alkoholbranche findet deshalb zurzeit ein gewaltiger Investitionsboom statt. Im Westen São Paulos ist das deutlich zu sehen: Zwischen die LKW mit Zuckerrohr drängen sich immer öfter auch Betonmischer oder superbreite Laster mit Kesseln. Im wichtigsten Zuckerrohranbaugebiet der Welt hat ein Bauboom wie noch nie zuvor eingesetzt: Rund 100 neue Zuckermühlen und Alkoholdestillerien werden dort gebaut, um die wachsende Nachfrage nach Zucker und Ethanol bedienen zu können. Plinio Mario Nastari, der Präsident der Beraterfirma Datagro, schätzt, dass in Brasilien 19 Milliarden Dollar in neue Plantagen, Fabriken und Destillerien investiert werden.

Eine Fabrik davon ist die „Usina Itarumã“. Silvio Torquato Junqueira leitet sie mit zehn Partnern: 100 Millionen Real stecken sie in Mühle und Destillerie, 100 Millionen in die Felder inklusive Pacht. Dafür – also umgerechnet rund 75 Millionen Euro – können sie dann im Jahr rund 1,5 Millionen Tonnen Zuckerrohr mahlen. „Es gibt derzeit kaum eine bessere Investition als Zucker in der brasilianischen Landwirtschaft“, schwärmt der elegante Herr, Anfang 60, im dunkelblauen Blazer. „In maximal fünf Jahren haben sich die Investitionen wieder amortisiert.“

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Lesen Sie weiter auf Seite 4: Mais und Wezizen

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Zucker schlägt Mais und Weizen

Exportweltmeister: Brasilien ist der größte Exporteur von Ethanol. Kein anderes Land ist derzeit in der Lage, so preiswert Biotreibstoff herzustellen. Ein Hektar Zuckerrohr liefert dort zwischen 4 000 bis 6 000 Liter Ethanol. Alkohol aus Mais, wie er in den USA hergestellt wird, bringt nur einen Hektarertrag von 2 000 Litern, europäischer Weizen nur von 1 000 Liter. Entsprechend konkurrenzfähig ist der brasilianische Alkohol.

Eigenverbrauch: Dennoch existiert noch kein Weltmarkt für Ethanol: Gerade einmal drei Milliarden Liter werden zwischen den Staaten gehandelt – verschwindend wenig angesichts eines weltweiten Konsums von rund 34 Milliarden Litern im vergangenen Jahr. Die beiden größten Produzenten USA und Brasilien exportieren nur ihre Überschüsse; sie verbrauchen das Gros ihrer Produktion selbst.

Marktschwäche: Das wird sich auch nur langsam ändern: Experten schätzen, dass sich in sechs Jahren der Welthandel für Ethanol als Treibstoff gerade mal auf sechs Milliarden Liter verdoppelt – bei einem Konsum von 80 Milliarden Liter schon 2010.


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