Zinshuren auf der Insel


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Neuester Beitrag: 06.01.06 15:34
Eröffnet am:06.01.06 15:34von: HardstylisterAnzahl Beiträge:1
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1443 Postings, 6882 Tage HardstylisterZinshuren auf der Insel

 
  
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06.01.06 15:34
Hab auch schon mal überlegt etwas in der Art zu machen, weiß jemand ob es da in Deutschland rechtliche Schwierigkeiten gibt?

Dolce Vita auf Pump und ohne Zinsen
von Titus Kroder, London
Mit zinslosen Darlehen auf ihre Kreditkarten führen britische Schuldenjongleure, so genannte Rate-Tarts, ein süßes Leben. Doch die Banken haben der trickreichen Spezies den Kampf angesagt.

Kreditkarten von MastercardBei uns im Büro ist ein richtiger Wettkampf entbrannt", berichtet der Londoner, Mitte 40, der anonym bleiben möchte. Wer beim Jonglieren mit Kreditkarten das meiste rausholt, hat gewonnen. "Ich arbeite mit zwölf Plastikkarten gleichzeitig", sagt der Mann. 40.000 £ sind bei dem Rennen inzwischen netto hängen geblieben - etwa 60.000 Euro.

Die Zinsjongleure werden "Rate-Tarts" genannt, was übersetzt "Zinsnutte" heißt. In Deutschland, wo die Kreditkarte noch als brave Zahlkarte fungiert, die selten rote Zahlen zeigt, ist die Spezies unbekannt. Doch bei den verschuldungsfreudigen Briten - jeder Erwachsene steht im Vereinigten Königreich statistisch mit knapp 25.000 £ in der Kreide - boomt der Wettlauf um zinsfreie Lockkredite, auch wenn die Banken das Leben jetzt schwerer machen.

Die verschwiegene Gemeinde der Rate-Tarts feilt ständig an den Methoden. Für das Startkapital geht man zunächst auf ein paar Willkommensangebote von Banken ein: pro Karte ein Kredit von ein paar Tausend Pfund - zum Nullzins für die ersten neun Monate. Das Geld wird auf verzinste Konten gelegt, für Spareinlagen gibt es bis zu vier Prozent. Am Ende der zinsfreien Monate wird, häufig mit dem Nullzinskredit einer neuen Kreditkarte, getilgt. Bei dieser "stoozing" genannte Technik bleibt nach Tilgung immer etwas in der Kasse. Mancher "Stoozer" presst so aus 80.000 £ Kreditkartenschulden 5000 £ Zins pro Jahr. "Viel häufiger ist jedoch der Fall, dass bereits bestehende Schulden einfach von einer Nullprozent-Karte auf die nächste geschoben werden. Das spart eine Menge Geld beim Leben auf Pump", sagt Andrew Britchford vom Berater Moneyfacts Research.


Scharfer Wettbewerb

Die Nullzins-Produkte wurden von britischen Banken zur Jahrtausendwende aus den USA importiert. Von rund 70 Kartenanbietern in Großbritannien haben derzeit noch 28 die zunächst zinsfreien Karten auf dem Markt, darunter HSBC, Britannia und Morgan Stanley. Nach Schätzungen von PricewaterhouseCoopers entgehen durch die Rate-Tarts dem britischen Bankensektor zwischen 600 Mio. und 1 Mrd. £ an Gewinn pro Jahr. "Mehr und mehr Anbieter streichen deshalb diese Angebote oder verlangen Gebühren, wenn von einer Karte auf die nächste geschoben wird", sagt Analyst Britchford.

Im scharfen Wettbewerb seien die Nullzinskarten jedoch ein zu gutes Mittel, um Kunden anzulocken, denen man auch andere Produkte verkaufen kann. "Völlig verschwinden werden sie deshalb nicht", prophezeit der Experte. Doch die Kredite sind kleiner geworden. Bekam man kürzlich noch 10.000 £ ohne Probleme auf eine Karte, sind es jetzt etwa noch die Hälfte. "Den Überblick über das komplizierte Gewebe aus Tilgung und Umschuldung behält man bei mehreren Karten nur noch mit dicken roten Strichen im Kalender", warnt ein erfahrener "Tart".

Bei Fristverletzung drohen immerhin Überziehungszinsen von bis zu 16 Prozent. Die Zinstüftler haben sich gut organisiert. Die Internetseite "Tart Alert" alarmiert per Email, wann die Fristen der Anbieter ablaufen. www.moneysavingexpert.com liefert den jeweils aktuellen Überblick über zinslose Angebote.

Der Verband der Zahlungsabwickler (Apacs) schätzt, dass 2004 rund 21 Mrd. £ an Krediten zum Nulltarif aufgenommen wurden. Das Phänomen ist eine Folge des britischen Konsumbooms. Die Banken schlugen sich auf dem wichtigsten europäischen Kartenmarkt bislang die Lockangebote um die Ohren, um an neue kreditwillige Kunden heranzukommen.

Wie viele Rate-Tarts es gibt, ist schwer ausmachen. Nach einer Studie halten etwa 20 Prozent der britischen Kreditkartennutzer weniger als zwei Jahre ihrem Anbieter die Treue. Die Altersgruppe der unter 30-Jährigen stellt die meisten Zinsakrobaten. "Es sind jedoch überwiegend Leute aus solideren finanziellen Verhältnissen", sagt ein Insider der Szene. Schließlich erhält man auch in Großbritannien erst nach einer Bonitätsprüfung eine Kreditkarte. Die "Tarts" wissen, dass sie es nicht übertreiben dürfen. Mit zu viel Kartenkredit bei zu geringem Einkommen oder zu oft verschlafenen Tilgungen schädigt man seine Kreditwürdigkeit.

 

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