Wissen macht AUA!


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Neuester Beitrag: 11.04.05 16:43
Eröffnet am: 11.04.05 15:50 von: Schwedenku. Anzahl Beiträge: 4
Neuester Beitrag: 11.04.05 16:43 von: vega2000 Leser gesamt: 1.958
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534 Postings, 6834 Tage SchwedenkugelWissen macht AUA!

 
  
    #1
13
11.04.05 15:50
Immer wieder forschen pickelige Wissenschaftler ohne feste Freundin nach Ursachen, warum Planeten und Menschen, die gerne Zwiebeln essen, die Bestrebung an den Tag legen, eine Gasathmosphäre zu bilden. Andere erforschen ihr ganzes Leben lang den Zusammenhang zwischen widerspenstigen Weibern und schlechtem Sex.
Wieder andere haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, herauszufinden, warum den Männchen des Kackstelzen-Sittichs auf Papua-Neuginea jedes Jahr im Herbst die Eier abfallen und im Frühjahr, wenn es ans poppen geht, alle Piepmätze wieder verzweifelt danach suchen.

Und nun, an jenem historischen Punkt unseres aufgeklärten Zeitalters, dem die scheinbar letzten Geheimnisse entrissen sind, erscheint eine Ausgabe unseres geliebten Revolverblatts mit den einfachen Botschaften, großen Buchstaben und kurzen Sätzen, die Erstaunliches über Himmelsmechanik zu berichten weiß.

Freitag, 29. Oktober 2004, Titelseite, oben rechts: "Chaos im Weltraum - Erd-Achse kippt!" Dahinter ein Bild unserer Erde vom Weltraum aus gesehen, das den Untertitel "Unsere Erde vom Weltraum aus gesehen" trägt und offenkundig für Blinde gedacht ist oder für Orientierungslegastheniker, die geglaubt haben, endlich mal den "Arsch der Welt" aus der Pole-Position erblicken zu können. Achtung - Achtung! Ein Sonderservice für unsere bildungsfeindlichen Leser: Keine Sorge, sie brauchen sich keinen Jahresvorrat Fernsehzeitungen anzulegen! Es handelt sich hier lediglich um ein Bild unserer Erde - und zwar (Bei Bedarf jetzt bitte irgendwo festhalten!) vom Weltraum aus betrachtet! Vielleicht sollten sie die Gelegenheit nutzen, um zum Fenster zu gehen und ein wenig hinauszuwinken, vielleicht können sie sich ja selbst sehen und herausfinden, warum Außerirdische einen großen Bogen um unseren schönen Planeten machen.

Kaum haben wir uns von dem Schock erholt, daß wir von nun an kein Bier mehr offen stehen lassen dürfen, erwartet uns auf Seite 13 noch Beängstigenderes: Nicht die Erd-Achse kippt, sondern die Erde selbst! KREISCH!

Nun ja, aus wohlwollender Sicht und aller gebotenen Toleranz gegenüber andersdenkenden Journalisten ist der Artikel schon eine Meisterleistung und beide Aussagen beinhalten ja auch fast dasselbe, aber eben nur fast: Während wir uns auf der Titelseite nur damit abfinden mußten, daß die Rotationsachse demnächst durch Leipzig verläuft und alle Sonnenuhren unserer ohnehin durch Wessi-Diktatur, erektionsfeindlichen Akzent und Achim Menzel-Sendungen gebeutelten Ossis neu gestellt werden müßten, kippt unsere blaue Murmel nun komplett aus der Aufhängung und sorgt dafür, daß den Jungs in der Twilight-Zone demnächst das Erzgebirge auftaut und sie ihre Frauen mit Kamelen verwechseln. (Wer je eine mit ihrem Gartenstuhl verwachsene Mutterqualle aus Mecklenburg-Vorpommern gesehen hat, weiß, wovon ich rede!)

Tja, fragt sich da der durch Konjunkturschwäche vom Ausschlafen bedrohte Hartz 4-Rundfunkgebührensparer, was bleibt uns da noch Anderes übrig als auszuwandern? Wie gut, daß pickelige Wissenschaftler ohne feste Freundin gerade einen erdähnichen Planeten namens My-Area entdeckt haben, der nur 50 Lichtjahre entfernt ist, in nur 9,5 Tagen um eine kleine Sonne im Sternbild Angina Pectoris trudelt und moderate 900 Grad Kelvin Oberflächentemparatur aufweist. Klar, daß derartige Daten gleich eine Reihe von neuen Fragen aufwerfen: Welchen Sonnenschutzfaktor brauche ich? Wieviel bezahlten Urlaub bekomme ich, wenn ein Jahr nicht mal 10 Tage beträgt? Und die Wichtigste: Wie kann ich peinliche Sat1-Komiker dahin entsorgen, ohne daß es irgend jemand auffällt?

Der zweite Artikel hieß im Übrigen: "Die Erde ertrinkt!". Wir konnten bis zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieses Artikels leider nicht herausfinden, ob sich diese Aussage auf den Flüssigkeitsstand der Heerscharen sturzbesoffener Engländer bezieht oder ob allein die Reibungshitze beim Nachdenken über den Sinn derartiger Artikel die Polkappen schmelzen läßt. (Unser Vorschlag für weitere Folgen: "Die Erde verblödet!", "Haben sich die Inkas allesamt totgeschunkelt?" und "Leidet Godzilla aufgrund von Schwermetallbelastungen japanischer Hafengewässer an Prostatakrebs?")

Offenkundig, so steht weiterhin zu lesen, ist unser Armageddon bereits eingetreten: Unsere eigene Sonne hat uns nicht mehr lieb und bombardiert uns neuerdings mit bösen Strahlen! (Nehmen sie sich einen Augenblick Zeit und lassen sie diese Information sacken. Trinken sie einen Cognac, rufen sie ein paar Freunde an, erkunden sie spielerisch die eigene Körperoberfläche durch Betasten - das kann die erste Not lindern.)

Die Erkenntnis, daß unser Zentralgestirn unsichtbare Wellen und Partikel absondert, ist neu. Ich erinnere mich noch deutlich an die ungläubigen und verschreckten Gesichter meiner geschätzten ZYN!-Kollegen, als ich diese Novität unbedacht auf einer Redaktionssitzung fallen ließ. Wie gut, daß Hersteller von Sonnenbrillen mit UV-Gläsern hier seit Jahren proaktiv tätig sind, als hätten sie die herannahende Katastrophe bereits geahnt! (Hier bei Bedarf noch einen Absatz über Photosynthese einfügen!)

Aber auch hier haben unsere ranzigen Politiker allesamt natürlich wieder einmal geschlafen, denn auch hier hätte ein Frühwarnsystem viel verhindern können. Der Wahnsinn kommt schleichend. Schon jetzt hat die Strahlung bereits Auswirkungen auf die gesellschaftliche Akzeptanz von Pokissen und erzeugt Kabelbrand in den Hirnen der Verfasser so manch pseudowissenschaftlicher Pamphlete. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann Oliver Pocher, der Ehrenvorsitzende des Vereins der Hirnsauerstoff-Unterversorgten eine eigene Sendung bekommt. (Und wer muß das dann wieder ausbaden, hä?)

Eins bleibt unumstritten: Es herrscht tatsächlich Chaos im Weltraum. Die Erdachse wandert, weil die Schrauben im Eis nicht richtig halten. Tag und Nacht flitzen radioaktive Strahlenpakete durch unser schönes Sonnensystem. Sterne explodieren ohne Rücksicht auf Verluste unter den Ortsansässigen. Das Klo auf der I.S.S. sieht aus wie die Sau. Auf dem Jupiter herrscht noch beschisseneres Wetter als in Holland. (Das will was heißen!) Pockennarbige Kleinstplanetoiden dümpeln wie bucklige Riesenkartoffeln unmotiviert und ohne deutsche TÜV-Zulassung zwischen den Planeten umher. (Einer davon ist auf der Erde gelandet, war unerkannt als Fußballtrainer tätig und moderiert zur Zeit "Big Boss" auf RTL.)

Aber was wäre, wenn die Zeitung mit den einfachen Botschaften, großen Buchstaben und kurzen Sätzen auch nur ein einziges Mal Recht hätte und die beschriebenen Katastrophen wirklich einträfen? Würden wir uns nicht mehr zum Müllcontainer trauen, weil wir Angst haben müßten, daß im Dunkel ein schlecht sozialisierter Meteorit lauert, der nur darauf wartet, uns auf die Knobelbeule zu knallen? Wie würden sich geänderte Schwerkraftverhältnisse oder Fliehkräfte auf das Bindegewebe von Frauen auswirken? Bekomme ich noch Eigenheimzulage, wenn die Erde in viele kleine Teile zerbröselt? Kann man einen Vulkan außerhalb der USA juristisch belangen? Würde Erich von Döneken endlich Bundeskanzler?

Ich denke, all das wird nicht passieren. Und wenn schon. Wen kümmert's, wenn die Erde in zwei Teile bricht, solange es genau entlang der innerdeutschen Zonengrenze passiert? Genau: Keinen Arsch!

Deshalb am Schluß noch onkelhostes gut gemeinten Rat an alle Wissenschafts-Redakteure, die sonst nur Artikel über Anti-Aging und Mülltrennung schreiben: Die letzten weißen Flecken auf den Karten der Wissenschaft bestehen aus Ejakulat. Also nächstes Mal vorsichtiger beim Lecken!

www.zyn.de  

61594 Postings, 6455 Tage lassmichrein*lool* Sehr geil geschrieben !!!

 
  
    #2
11.04.05 15:56

21880 Postings, 7047 Tage utscheck*ggg o. T.

 
  
    #3
11.04.05 16:41

Clubmitglied, 46518 Postings, 7590 Tage vega2000hahahahaha

 
  
    #4
1
11.04.05 16:43
"Die Erdachse wandert, weil die Schrauben im Eis nicht richtig halten"  

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