Philips hat die Talsohle noch nicht durchschritten


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20.07.01 23:53
Aus der FTD vom 18.7.2001 www.ftd.de/philips
Philips hat die Talsohle noch nicht durchschritten
Von Jörn Paterak, Hamburg

Der Vorstandschef des Elektrokonzerns Philips, Gerard Kleisterlee, erwartet vor Ende 2002 keine Erholung auf dem Markt für Halbleiter. Der Elektrokonzern schreibt rote Quartalszahlen und plant den Abbau von weiteren 3000 Stellen.


 

Vorstandschef Gerard Kleisterlee und Finanzchef Jan Hommen (v.l.)


Dies war nur eine von etlichen schlechten Nachrichten, die Kleisterlee am Dienstag in Amsterdam seinen Aktionären beibringen musste, als er die Zahlen für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres vorstellte. Die Ertragslage des niederländischen Traditionskonzerns mit insgesamt 212.000 Mitarbeitern wird danach erst im dritten Quartal 2001 ihren Tiefpunkt erreichen.

Im zweiten Quartal schrieb Philips bereits Verluste von 770 Mio. Euro. Im selben Zeitraum des Vorjahres erwirtschaftete der Konzern dagegen noch Gewinne in Höhe von 3,6 Mrd. Euro. Der Umsatz sank um 16 Prozent auf 7,68 Mrd. Euro. Der Abschwung im Halbleiterbereich sowie in der Telekom- und Computerindustrie habe sich im zweiten Quartal beschleunigt und sich zudem von den USA auf alle Regionen ausgeweitet, begründete der Philips-Chef die schlechte Entwicklung. Nach wie vor schließt Kleisterlee einen geringen Verlust auch für das Gesamtjahr nicht aus.



Schlechte Stimmung


Die schlechten Zahlen waren von Analysten erwartet worden. Immerhin hatte der Konzern die Verluste bereits im April angekündigt. Enttäuschung herrscht dagegen wegen des pessimistischen Ausblicks. Viele hatten gehofft, Kleisterlee würde verkünden, die Talsohle sei nun durchschritten.


Die schlechte Stimmung zog am Dienstag auch den Kurs vieler verwandter Technologiewerte wie etwa Epcos oder Infineon nach unten. Die Branche leidet unter nicht ausgelasteten Kapazitäten, die während der Boomphase der vorigen Jahre aufgebaut worden waren.


Die Folgen bei Philips sind drastisch: Zusätzlich zum bereits beschlossenen Abbau von 7000 Stellen will Kleisterlee bis Jahresende weitere 3000 bis 4000 Arbeitsplätze vor allem im Halbleiterbereich streichen. Allein hier ging der Umsatz um 19 Prozent auf 1,13 Mrd. Euro zurück. Der Verlust betrug 255 Mio. Euro, nach einem Gewinn von 324 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Für die Umstrukturierung hat der Konzern Rückstellungen von 714 Mio. Euro gebildet.


Doch nicht nur das Halbleitergeschäft steckt bei Philips in der Krise: Auch das Komponentengeschäft und die Unterhaltungselektronik mussten in den vergangenen Monaten herbe Verluste hinnehmen. So fiel der Umsatz mit Konsumelektronik um 18 Prozent auf 2,53 Mrd. Euro. Der Verlust betrug im zweiten Quartal knapp 500 Mio. Euro, verglichen mit 126 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum.


Besser verlief dagegen die Entwicklung der Sparten Medizintechnik, Haus- und Hygieneprodukte sowie Licht. Die Hausgeräte-Sparte etwa steigerte den Umsatz um 13 Prozent auf 521 Mio. Euro. Der Gewinn stieg dabei um 29 Prozent auf 71 Mio. Euro. Das Geschäft mit Medizintechnik, das Philips erst Anfang Juli durch eine milliardenschwere Übernahme verstärkt hat, steigerte den Umsatz vor allem akquisitionsbedingt um 38 Prozent auf 948 Mio. Euro. Der Gewinn dagegen sank um zwei auf 42 Mio. Euro.


Kleisterlee, der den Vorstandsvorsitz erst im Mai von seinem Vorgänger Cor Boonstra übernommen hat, hat viel geplant: Aus Philips soll ein integrierter Technologiekonzern entstehen. In drei bis fünf Jahren will Kleisterlee nämlich ein jährliches Konzernwachstum von 10 Prozent beim Umsatz und 15 Prozent beim Gewinn erzielen. Halten die Ertragsprobleme der wichtigsten Sparten an, dürfte dieses Ziel nicht zu erreichen sein.


Die Philips-Aktie reagierte am Dienstag relativ unempfindlich auf die Verlustmeldungen. Das Papier sank im Tagesverlauf um 1,85 Prozent und schloss mit 28,66 Euro.



© 2001 Financial Times Deutschland , © Illustration:  AP  

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