Ölpest mitten in New York


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Neuester Beitrag: 08.08.07 16:56
Eröffnet am:07.08.07 11:59von: The Daywal.Anzahl Beiträge:6
Neuester Beitrag:08.08.07 16:56von: vega2000Leser gesamt:2.823
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159 Postings, 6144 Tage The DaywalkerÖlpest mitten in New York

 
  
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07.08.07 11:59
Mega-Ölpest mitten in New York

In einen kleinen Fluss in Brooklyn ist mehr Öl ausgelaufen, als 1989 aus der Exxon Valdez an der Küste von Alaska. Der Schaden geht in die Milliarden. Der Energieriese ExxonMobil gerät unter Druck. Sogar Umweltschutz-Vorreiterin Erin Brockovich mischt sich ein.

Das Ufer des Newtown Creek ist alles andere als idyllisch. Rostige Bauzäune trennen an den meisten Stellen den Zugang zum Ufer ab, dahinter reihen sich Lagerhallen und verfallene Fabriken aneinander. Schon am Nachmittag ist die Gegend unheimlich still und verlassen. Nur von der nahen Autobahn, dem Long Island Expressway, dringt ein stetiges Rauschen hinüber. Auf der Wasseroberfläche des kleinen Flusses schwimmt ein dunkler, stinkender Film.

Der nur 6,5 Kilometer lange Newton Creek trennt die Stadtteile Brooklyn und Queens voneinander, er liegt mitten in New York. Was selbst viele Bewohner der Stadt nicht wissen: Der Fluss ist Schauplatz einer der schlimmsten Naturkatastrophen in der Geschichte der USA. Mehr als 65 Millionen Liter Öl sickerten im Laufe der vergangenen hundert Jahre in den Grund, das meiste davon nach einer Explosion in einer Fabrik im Jahr 1950. Das Ölleck von Brooklyn war größer als der Teppich, den der Tanker Exxon Valdez im Jahr 1989 vor der Küste Alaskas verursachte. Knapp die Hälfte des Öls und anderer Stoffe verseucht noch heute den Fluss und den Boden in den umliegenden Wohngebieten. Umweltschützer und Anwohner kämpfen seit Jahren für die Reinigung des Flusses. Im Gegensatz zum Exxon Valdez-Unglück hat das New Yorker Leck jedoch bisher wenig öffentliche Beachtung bekommen.

Dies scheint sich jedoch gerade zu ändern. Denn nun gerät der weltgrößte Energiekonzern ExxonMobil wegen des Öllecks unter Druck. Der New Yorker Oberstaatsanwalt Andrew Cuomo erhob Ende Juli Anklage gegen das Unternehmen. ExxonMobil sei der Hauptverantwortliche für das Unglück, sagte Cuomo. Der Konzern habe es seit Jahren verschleppt, das Öl zügig aus Wasser und Boden herauszufiltern: 1978 entdeckte die US-Küstenwache erstmals die Ausmaße des Öllecks, 1990 unterzeichnete ExxonMobil eine Verpflichtungserklärung, den Schaden zu beheben. Trotzdem ist noch immer rund 20 Hektar Land und Wasser verseucht - eine Fläche so groß wie der Kölner Zoo oder der Botanische Garten in München.

Cuomo begründete die Anklage mit harten Worten: "ExxonMobil, der größte, profitabelste Ölkonzern der Welt, hat es wiederholt abgelehnt, die Verantwortung für eine der schlimmsten Umweltkatastrophen in der US-Geschichte zu übernehmen", schrieb er in seiner Pressemitteilung. "Diese Klage sendet das Signal, dass sogar die größten Konzerne der Welt nicht den Konsequenzen ihrer Untaten entgehen können."

Die Geschichte des Öllecks am Newtown Creek begann vor rund 160 Jahren, als das weitgehend wilde Areal als Industriezone urbar gemacht wurde. Bis dahin war der Seitenarm des East River durch Auenland geflossen. "Man kann davon ausgehen, dass es dort die gleichen Tierarten gab wie heute noch in vergleichbaren Landschaften", sagt Alex Matthiessen, Vorsitzender des New Yorker Umweltschutzvereins Riverkeeper, "Das sind rund 200 Fischarten und Dutzende Sorten von Vögeln."

Im 19. Jahrhundert siedelten sich dann Klebstoffmacher an, Düngemittelhersteller eröffneten Fabriken, ebenso auch eine Reihe von Ölraffinerien. Sie stellten Benzin, Kerosin oder Paraffinwachs her. Umweltschutz gab es noch lange nicht. Viele der Öltanks leckten, beim Transport von einer Fabrikhalle in die andere schwappten häufiger schädliche Stoffe über und sickerten in den Boden.

Um das Jahr 1870 gab es rund 50 Raffinerien am Ufer des Flusses. Dort wurde genug Öl produziert, um jeden fünften Haushalt der Neuenglandstaaten zu versorgen. Die meisten der Raffinerien kaufte nach und nach John D. Rockefellers mächtiger Ölkonzern Standard Oil auf, bis dieser 1911 zerschlagen wurde. 1950 erschütterte eine große Explosion das Industriegebiet. Wahrscheinlich entstand damals der größte Teil des Ölteppichs. Ein Teil sickerte in den Boden, der Rest sank auf den Grund des Flusses.

In den folgenden Jahrzehnten schlossen die Raffinerien nach und nach. Die Gelände wurden verkauft oder stehen heute leer. Der größte Rechtsnachfolger Standard Oils ist heute ExxonMobil, das zuletzt einen Jahresumsatz von zuletzt 378 Mrd. Dollar (276 Mrd. Euro) erzielte. Auch die Energiekonzerne Chevron und BP besitzen Grundstücke im Gebiet und sollen für die Ölpfütze mitverantwortlich sein. Im Frühjahr kündigte Cuomo an, die Rolle der beiden Konzerne ebenfalls untersuchen zu wollen.

Heute lebt im Newtown Creek so gut wie nichts mehr. Lediglich eine besonders widerstandsfähige Fischart, die Elritze, könnten er und sein Team noch manchmal bei ihren regelmäßigen Schlauchboot-Touren über den Newtown Creek erspähen, erzählt Umweltschützer Matthiessen. Anderes Leben habe dort keine Chance mehr: "Die Wasseroberfläche ist von einem dicken schwarzen Film überzogen. Es sieht gruselig aus."

Zwar arbeitet eine Handvoll Arbeiter im Auftrag von ExxonMobil am Rand des Ufers und pumpt dort das Öl aus dem Wasser. Doch den Umweltschützern und der Staatsanwaltschaft gehen die Arbeiten zu langsam voran. Der Verein Riverkeeper hat deshalb vor drei Jahren Klage gegen den Konzern eingereicht. Das Ziel ist, ihn zu schnelleren Aufräumarbeiten zu zwingen und ihn eine neue Belebung des Flusses zahlen zu lassen. "Jetzt bekommen wir endlich auch Unterstützung von der Stadt New York. Die Behörden haben sich viel zu lange zurückgehalten und gar nichts getan", sagt Matthiessen.

Auch mehrere Anwohner haben bereits gegen ExxonMobil geklagt. Sie befürchten, das Ölleck sei auch für Menschen gefährlich. Im nahe am Newtown Creek gelegenen Greenpoint, einem Teil Brooklyns, stehen ein paar Häuserblocks auf der gigantischen unterirdischen Öllache. Eine wissenschaftliche Untersuchung, die Riverkeeper 2004 anstieß, hat ergeben, dass mit dem Öl auch andere Stoffe in den Boden gelangten. Einer davon ist das krebserregende Benzol, das zum Beispiel in Benzin enthalten ist. Gefährlich sei das Gemisch, weil sich Gase lösen und an die Oberfläche steigen können, sagt Daniel Estrin vom Institut für Umweltrecht der New Yorker Pace Universität. "Benzol ist ein sehr schädlicher Stoff. Atmet man ihn über längere Zeit ein, wirkt er krebserregend."

Wegen der möglichen Gesundheitsrisiken fordern die klagenden Anwohner Schadenersatz in noch unbekannter Höhe. Eine der Gruppen fuhr ein scharfes Geschoss auf. Sie engagierte die Kanzlei Girardi & Keese - die in den USA als König der Sammelklagen gilt. Das in Los Angeles ansässige Anwaltsbüro hat bereits gegen den Rüstungskonzern Lockheed (heute Lockhheed Martin), den Energieriesen Shell und das Filmstudio Warner Bros. geklagt.

Bekannt ist sie aber vor allem durch den Fall Erin Brockovich. Die Anwaltsgehilfin deckte 1993 einen Fall von Trinkwasserverschmutzung mit krebserregenden Stoffen in der südkalifornischen Kleinstadt Hinkley auf. Drei Jahre später zahlte der verantwortliche Konzern Pacific Gas and Electric Company (PG&E) den Bewohnern 333 Mio. Dollar (244 Mio. Euro) Schadensersatz. Im Jahr 2000 erschien der Kinofilm über den Fall. Hauptdarstellerin Julia Roberts erhielt für die Rolle den Oscar.

Die echte Erin Brockovich ist heute 47 Jahre alt und betreibt eine Beratungsfirma für Kläger gegen Umweltschäden. Ende 2005 flog die Kanzlei Girardi & Keese sie nach New York ein. Im Seniorenzentrum von Greenpoint hielt sie vor rund 60 Bewohnern eine flammende Rede. "Ich bin hier, um euch zu motivieren. Diese Klage kann nur Gutes bringen", sagte Brockovich. Noch laufen die Prozesse vor dem Gericht in New York.

ExxonMobil äußert sich nicht zum Ölleck. Auch eine Anfrage, wie viel Geld die Reinigungsarbeiten in den vergangenen Jahren bereits gekostet haben und wann diese abgeschlossen sein könnten, beantwortete der Konzern nicht. Dabei hat der Konzern mit Katastrophen und ihrem Preis schon seine Erfahrungen: Das Unglück des Tankers Exxon Valdez vor der Küste Alaskas kostete den Konzern bisher drei Milliarden Dollar. Ein Prozess über weitere mögliche Strafzahlungen läuft noch immer.

Im Fall Newtown Creek müssten die Buß- und Schadenersatzzahlungen mindestens ebenso hoch ausfallen, argumentiert Riverkeeper. "Es ist mehr Öl ausgelaufen als im Fall Exxon Valdez, außerdem hat das Unglück in einem Wohngebiet stattgefunden und ist damit noch gefährlicher für Menschen", sagt Matthiessen. Nun hoffen sein Verein und die Anwohner allerdings erst einmal darauf, dass ExxonMobil das Ölleck überhaupt unter Kontrolle bekommt. Denn noch immer sickere aus der unterirdischen Pfütze in Greenpoint stetig Öl in den Fluss, sagt Matthiessen. "Es ist wirklich höchste Zeit, dass sich etwas tut.“


Link zur Quellenangabe:

http://news.de.msn.com/wirtschaft/Article.aspx?cp-documentid=5822132  
Angehängte Grafik:
Ölpest.jpg
Ölpest.jpg

14875 Postings, 6369 Tage minesfanna, da ist baden gehen wohl passe...

 
  
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07.08.07 13:31
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An den Tagen, wo es gut läuft freue ich mich, an den Tagen wo es schlecht läuft, denke ich an die Tage, wo es gut lief!  

8451 Postings, 7318 Tage KnappschaftskassenWieso baden gehen?

 
  
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07.08.07 13:33
Sind die Brücken wieder alle in Takt?!  

159 Postings, 6144 Tage The DaywalkerDie unsichtbare Ölpest

 
  
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08.08.07 16:32
New Yorks unsichtbare Ölpest

Von Marc Pitzke, New York

Unter einem New Yorker Arbeiterviertel verbirgt sich die größte Umweltkatastrophe der USA: Mehr als 65 Millionen Liter Öl verseuchen den Grund. Dahinter steckt der Energiemulti Exxon, der gerade den größten Gewinn der Geschichte einfuhr - und trotzdem wenig tut, um das Debakel zu beseitigen.

New York - Ein scharfer Eiswind kräuselt das Schlackwasser des Newtown Creek. Gelber Schaum dümpelt auf dem Seitenarm des East River, der Brooklyn von Queens trennt. Drüben rumpelt der Verkehr des Long Island Expressway auf Betonstelzen über die Dächer. Am Ufer, gesäumt von morschen Lagerhallen und Brachflächen, sind Schlamm und Müll zu einer harten Kruste gefroren. Es stinkt nach Öl.


"Willkommen im geografischen Zentrum von New York City", sagt Basil Seggos. Am Horizont flimmert die Skyline Manhattans: der Citi-Tower, das Empire State Building. Rechts, jenseits der Pulaski Bridge, erstreckt sich das triste Häusermeer der Vorstädte. Kahle Bäume klammern sich an den Uferhang.

Seggos, 32, kommt oft an den Newtown Creek hier in Greenpoint, an Brooklyns entlegener Nordspitze. Für den Umweltaktivisten sind der dreckige Creek und das angrenzende Arbeiterviertel zum Lebensinhalt geworden. Tag und Nacht beschäftigt er sich damit. In seinem Golf, mit dem er über die Schlaglöcher zuckelt, stapeln sich Ordner, Akten und Karten.



Denn Greenpoint ist Schauplatz der größten Umweltkatastrophe der USA: Der Boden unter den Häusern und Fabriken ist mit Rohöl verseucht, aus Raffinerien und lecken Tanks. Dieser unterirdische Ölteppich, der langsam in den Creek sickert, erstreckt sich über mehr als 22 Hektar. Insgesamt sind hier, unweit der Uno-Zentrale am anderen Ufer des East Rivers, mindestens 65 Millionen Liter ausgelaufen, nach Schätzung von Experten sogar das Doppelte. Selbst die geringere Menge wäre noch anderthalbmal so viel wie 1989 beim Tankerunglück der "Exxon Valdez" in Alaska.

"Der Creek ist tot"

"Viele Leute wissen bis heute nicht, dass sie auf einer Zeitbombe sitzen", sagt Seggos, der der Sache als Chefforscher der Umweltgruppe Riverkeeper seit 2001 nachgeht. "Sie atmen toxische Gase ein. Sie werden krank."

Riverkeeper

Brooklyns Ölpest: "So etwas sieht man sonst nur in der Dritten Welt"
Wie damals im Prinz-William-Sund steckt auch am Newtown Creek der Ölmulti ExxonMobil dahinter. Auf dessen altem Brooklyner Firmengelände ist jahrzehntelang Öl in den Grund gesickert und hat sich dort zu einer unsichtbaren Giftschicht ausgebreitet - direkt unter einem Wohnviertel mit rund 1000 Menschen. "Wir haben uns verpflichtet, unserer Verantwortung voll nachzukommen", bestätigt Exxon-Sprecherin Premlata Nair.

Dazu hat Exxon begonnen, das Öl abzusaugen. Viel zu spät jedoch, völlig unzureichend und ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Menschen, finden Basil Seggos und Hunderte Anwohner, die Exxon in mehreren Zivilklagen vor Gericht gezwungen haben. Der Kampf der Davids gegen Goliath währt schon länger, spitzt sich jetzt aber zu: Der US-Kongress will eingreifen.

"So was sieht man sonst nur in der Dritten Welt", murmelt Seggos, über die Böschung des Creeks kraxelnd. "Es ist wie eine Zeitreise in die Vergangenheit." An einigen Stellen kapseln Gummiringe das Ufer ab, um zu verhindern, dass Öl in den Fluss rinnt; davor staut sich ein dünner Ölfilm. "Es hilft nicht viel", seufzt Seggos. "Weiter hinten ist der Creek tot."

Rostende Öltanks am Ufer

Die Kontaminierung von Greenpoint begann bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Damals saßen auf der Landzunge über 50 Raffinerien, die meisten betrieben von Standard Oil, dem Exxon-Vorläufer. Schon in jener Zeit leckten die Tanks und Rohre; von Umweltschutz war da noch keine Rede. Im Oktober 1950 dann drang Öl ins Abwassersystem von Greenpoint und explodierte. Die Detonation riss einen Krater auf, jagte Kanaldeckel in die Luft und zerschmetterte die Fenster an 500 Häusern.

1966 wurde die letzte Raffinerie stillgelegt. Amoco (heute BP ) übernahm einen Teil der Liegenschaften, den Rest nutzte Mobil bis 1993 als Lager. Drei der alten Öltanks rosten heute noch am Ufer des Creek, hinter Stacheldraht an der Kingsland Avenue. "Illegale Substanzen verboten", steht auf einem Warnschild.

Offiziell wurde der gigantische Ölspill aber erst 1978 entdeckt. Eine Hubschrauber-Patrouille der Küstenwache bemerkte Öl auf dem Creek. Bohrungen ergaben das ganze Ausmaß der Katastrophe. Die Versuche, das Problem zu beheben, blieben damals aber nur zaghaft.

1989 - im Jahr der Havarie in Alaska - übernahm der da noch von Exxon separate Mobil-Konzern die Verantwortung für die Verseuchung Greenpoints. Eine Geldstrafe gab es freilich nicht. Anders als bei der "Exxon Valdez", für deren Havarie Exxon letztendlich 2,5 Milliarden Dollar Bußgeld zahlen musste.

150.000 historische Aktenseiten

1990 begann Mobil, Öl aus dem verseuchten Boden abzusaugen. Nach Angaben von Sprecherin Nair wurden seither über 35 Millionen Liter beseitigt: "Unser Schwerpunkt liegt auf einem Sanierungsprogramm, das die öffentliche Gesundheit und die Umwelt schützt."

Die regierenden Demokraten im US-Kongress widersprechen. "Die Sanierung geht zu langsam voran und verletzt Umweltgesetze", schimpft der Brooklyner Abgeordnete Anthony Weiner. Auf Druck Weiners hat die US-Umweltbehörde EPA Ermittlungen eingeleitet.

Schon 2004 verklagte Riverkeeper ExxonMobil, Chevron und BP wegen Verstoßes gegen Umweltgesetze - die erste von mehreren Klagen. Vorige Woche schloss sich Brooklyns Stadtteilpräsident Marty Markowitz der Klage an. Trotzdem dümpelt der Fall weiter im Vorverfahren. Die Beklagten seien nicht gerade kooperativ, sagt Seggos. Erst jetzt habe Exxon 150.000 historische Aktenseiten freigegeben.

Die Reinigungsarbeiten seien bis heute nur "rudimentärst", so Riverkeeper. "Seit fünf Jahrzehnten sitzt das Öl unter Greenpoint, zerstört das Grundwasser, macht das Land nutzlos, setzt sich unter über 100 Häusern auf drei Wohnblocks fest, verseucht den Newtown Creek und bedroht Wassertiere und -pflanzen."

Blei, Benzol, Kerosin

"Schwarze Mayonnaise", so nennt Seggos die Ölschlacke tief im Boden. Er hält vor einem fensterlosen Bau: die Exxon-Klärstation. "Vorsicht, Gefahr", warnt ein Schild. Aus einem krummen Rohr tropft Schaum aufs Trottoir.

Gegenüber liegt der Reinigungsbetrieb Long Island Carpet Cleaners. Hier hat Exxon außen ein Ventilationsrohr installiert, da die Öl-Abgase durch den Boden kriechen und die Arbeiter betäuben. "Die Dinge gehen sehr langsam", klagt Firmenchef Barry Swindler.

Dahinter beginnt die Siedlung aus einfachen, doch gepflegten Holzhäuschen. Vor fast jedem weht ein Sternenbanner. "Seit 9/11", sagt Seggos. "Die sind sehr patriotisch." Ab und zu sind Eisendeckel im Gehweg eingelassen: die Bohrstellen, die zum Öl darunter führen.

"Einige von uns haben Asthma", berichtet Marion Tomczak, 77, die ihr ganzes Leben in Greenpoint verbracht hat. "Von den Abgasen kannst du todkrank werden", sekundiert Francis Flynn, 56. Am schlimmsten sei es, wenn das Barometer falle: Da krieche ein übler Geruch aus den Kellern und Gullis. Andere berichten von einem seltenen Knochensarkom. Ein Zusammenhang mit dem Öl bleibt unbewiesen.

"Eine Generation der Verschleppung"

Zwei neue Sammelklagen wollen nun auch Gesundheitsstudien erzwingen. "Unsere Hauptsorge sind Benzol und Methangas", sagt Justin Bloom, einer der Anwälte, dessen Klageschrift auf 158 Seiten insgesamt 392 Nebenkläger auflistet. Das Dokument benennt noch zahlreiche andere Schadstoffe: Petroleum, Petroleumzusätze, Benzin, Blei, Steinkohlenteeröl, Dimethylbenzol, Kerosin.

Bloom kooperiert dazu mit der Großkanzlei Girardi & Keese. Die hatte 1996 mit der Anwaltsgehilfin Erin Brockovich die größte Abfindungssumme der Industriegeschichte erzwungen: Der Energiekonzern PG&R musste wegen Trinkwasserverschmutzung 333 Millionen Dollar zahlen. Der Fall wurde später mit Julia Roberts verfilmt; die echte Erin Brockovich kam Ende 2005 nach Greenpoint und trat auf einer Bürgerversammlung auf.

Während die Zivilklagen nur schleppend vorankommen, erwägen jetzt aber auch der Bundesstaat New York und der US-Kongress Schritte gegen ExxonMobil. New York hat eine Umweltstudie eingeleitet, nachdem gütliche Verhandlungen mit dem Konzern gescheitert waren. Das Justizministerium erwägt Klage.

Der Kongressabgeordnete Weiner will derweil Anhörungen zu Greenpoint abhalten und hat die Abgeordneten zum Ortstermin eingeladen. Dies sei "das größte Umweltdesaster in der Geschichte New Yorks", sagt er. "Einer Generation der Vertuschung durch die Firmen folgte fast eine Generation der Verschleppung."

Link zur Quelle:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,463640,00.html  

Clubmitglied, 5846 Postings, 7119 Tage 10MioEuroDas Grundwasser aus dem Gebiet

 
  
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08.08.07 16:53
kann man nur noch für Cola gebrauchen...  

50133 Postings, 8659 Tage vega2000Hoffentlich liest Osama das nicht

 
  
    #6
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08.08.07 16:56
So ein Spaziergänger mit brennender Zigarette könnte da mehr bewirken als bei Nine-Eleven.....


 

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