Interessanter Artikel für die Ölis


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Neuester Beitrag: 25.04.21 13:05
Eröffnet am: 24.03.08 16:26 von: Libuda Anzahl Beiträge: 2
Neuester Beitrag: 25.04.21 13:05 von: Mariejjlna Leser gesamt: 746
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54896 Postings, 5983 Tage LibudaInteressanter Artikel für die Ölis

 
  
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24.03.08 16:26
Mein Rat: Raus und rette sich wer kann. Und lasst Euch nicht von Eurem Wertpapierberater Energie- oder Rohstofffonds aufschwatzen - das haben die Anfang 2000 auch mit Internet- und Technologiefonds getan.

Erklär mir die Welt (89)
Warum geht uns das Öl nicht aus?
Von Winand von Petersdorff

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Es läuft wie geschmiert
03. März 2008 100 Dollar je Fass Rohöl: Der Energiespender hat sich auf einem Preisniveau eingependelt, das vor wenigen Jahren noch nicht für möglich gehalten wurde. Mit dem Preis steigt die Zahl der Anhänger von Theorien, die das in Kürze eintretende Ende des Erdölzeitalters vorhersagen. Plausibel klingt es ja auch: Der Preis ist hoch, die Ware muss knapp sein. Grundkurs Wirtschaft, die erste Stunde.

Vereinfacht herrscht folgende Vorstellung vom Erdöl und seiner Verfügbarkeit: Man stellt sich einen großen Eimer vor, der mit Erdöl gefüllt ist und sich langsam leert. Und die Pessimisten sagen: Wir ahnen den Boden des Eimers schon. Und weil seit fast 200 Jahren Ölsucher unterwegs sind, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sie noch auf weitere Eimer stoßen. So einfach ist es aber nicht.

Der menschliche Faktor - notorisch unterschätzt

Es gibt einen Faktor, der in der Debatte über die Reichweite des Öls notorisch unterschätzt wird. Das ist der menschliche Faktor. Die Ölreserven hängen vor allem vom Erfindergeist des Menschen und seinem (Kapital-)Einsatz ab. Seine Innovationen vergrößern die Reserven im entscheidenden Maß und schieben das Ende der Öljahre in die Ferne.

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So war es schon immer: In den frühen Jahren des Gewerbes ließen Geschäftsleute schwere Laken in offene Quellen werfen und danach in Wannen austropfen. Die globalen Reserven beschränkten sich bis dahin auf jene wenigen Ölquellen, die damals aus der Erde heraustraten. Hätte man damals die Leute gefragt, wann sie das Ende der Ölförderung wähnen, hätten sie höchst pessimistisch geantwortet: Lange kann es nicht mehr dauern.

Der Vorgang wiederholt sich bis heute

Doch dann kam die erste revolutionäre Innovation des Ölzeitalters: das Bohren. Mit der Bohrung konnte aus tieferen Reservoirs gefördert werden. Die globalen Reserven vervielfältigten sich.

In gewisser Weise wiederholt sich der Vorgang bis heute nach gleichem Muster. Mit Gehirnschmalz und Geldeinsatz vergrößert der Mensch die Ölreserven. Es werden immer noch neue Quellen entdeckt, es werden Methoden verfeinert, bekannte Quellen besser auszuschöpfen, und es wird unkonventionelles Rohöl gewonnen aus Teersanden und Schweröl.

Der Fortschritt ließ sich bisher nicht bremsen. Rohrsysteme machen abgelegene Reserven zugänglich. Neue Stahlsorten ermöglichen Bohrungen durch harte Steinschichten. Nach Öl gebohrt wird von den Multis inzwischen auch in 2000 Meter Wassertiefe vor Brasilien und Westafrika. Reservensteigerungen brachten Messtechniken, die es erlauben, Quellen genauer zu taxieren. Mit neuen Bohrtechniken wird der Entölungsgrad von Quellen von zur Zeit 35 auf 70 Prozent erhöht. Das heißt, das Ölfeld wird viel intensiver ausgebeutet - mit der Konsequenz, dass eigentlich erschöpfte Vorkommen reanimiert werden und der Spruch "Totgesagte leben länger" eine neue Bedeutung erfährt. Es geht nicht um Kleinigkeiten. 1980 holten Förderer aus den bekannten Feldern gerade rund 20 Prozent heraus. Mehr war zu teuer und zu schwierig.

Pessimisten hatten schon 1920 als Katastrophenzeitpunkt im Gespräch

In den vergangenen 25 Jahren haben sich entgegen der allgemeinen Wahrnehmung die bestätigten globalen Reserven verdoppelt, berichtet Exxon. Die Reichweite des wirtschaftlich förderbaren Erdöls beträgt nach Einschätzung der meisten Experten heute rund 45 bis 50 Jahre. Das heißt nicht, dass die Ölreserven in 50 Jahren ausgehen. Es bedeutet, dass die Reserven auf der Basis des heutigen Verbrauchs und der heutigen Fördertechnik noch für etwa 45 bis 50 Jahre ausreichen.

Bis hierhin würden wohl auch die Pessimisten folgen. Doch an dieser Stelle kommen sie auf die Eimer zurück und beharren darauf, dass im Grunde alle großen Vorkommen entdeckt sind und sich langsam dem Ende zuneigen, zumal die Nachfrage dramatisch steigt. Ihr gutes Hauptargument lautet, dass ein Großteil des Öls immer noch aus Feldern kommt, die 30 Jahre und älter sind. In diesen Vorkommen nähere sich die Förderung in diesen Jahren einem Höhepunkt, um dann rasch zu Ende zu gehen. Und das erkläre die hohen Preise für Rohöl. Pessimisten sagen das allerdings schon sehr lange und geben unterschiedliche Zeitpunkte für den Katastrophenzeitpunkt an. 1920 war im Gespräch, 1950, 2000 und auch 2010.

Die Lieferländer hatten ihre eignen Ölkrisen

Es gibt eine andere, überzeugende Erklärung, warum sich die wichtigsten Förderländer auf bekannte Quellen stützen: unzureichende Investitionen in die Exploration. Man hat sich zu wenig angestrengt, und das durchaus bewusst.

Wenn wir Europäer von Ölkrisen reden, dann meinen wir Phasen in den siebziger Jahren mit Sonntagsfahrverboten und dem Aufkommen der Massenarbeitslosigkeit. Doch die Lieferländer hatten ihre eigenen Ölkrisen. Anfang der achtziger Jahre, nach einer Reihe guter Jahre, bekamen die Opec-Länder Angst vor Überproduktion und damit fallenden Preisen. Die Opec-Länder sind entscheidend, weil sie bisher 80 Prozent der globalen Reserven kontrollieren. Und tatsächlich, die Angst war aus ihrer Sicht begründet: 1986 stürzten die Rohölpreise ab und versetzten den wichtigsten Lieferländern einen Schock. Daraus zogen sie die Lehre, Überkapazitäten zu vermeiden.

Einige Länder machten es sich seitdem zum Prinzip, nur jene Felder zu entwickeln, in denen schon gefördert wurde. Das begründet den Fortschritt beim Entölungsgrad und deutet auf eine geringe Explorationstätigkeit hin. Die Idee war einfach: Überschüssige Kapazitäten sollten auf einem Minimum gehalten werden. Gleichzeitig versuchte die Opec, das Angebot über ein Förderregime zu limitieren. 1998/1999 stürzten die Preise noch einmal und bestärkten die Länder, das Angebot knapp zu halten.

Es fehlte lange an Suchbemühungen

Die Vermutung liegt nahe: Da, wo es herkommt, gibt es noch viel mehr. Das gilt vor allem für Länder am Persischen Golf. „Im Irak zum Beispiel sind 3D-Seismik, Tief- und Horizontalbohrungen sowie hochentwickelte Fördertechniken nie eingesetzt worden, obwohl diese Verfahren die Ölindustrie im Rest der Welt seit den 1980er Jahren revolutioniert haben“, schreibt der Chefstratege des italienischen Energiekonzerns Eni, Leonardo Maugeri, in einem Beitrag für die Zeitschrift „Foreign Affairs“.

Maugeri zeichnet auch die Explorationsanstrengungen der vergangenen 20 Jahre nach: 70 Prozent aller Explorationsaktivitäten fanden in den Vereinigten Staaten und Kanada statt, also in zwei Ländern, die die besten Jahren hinter sich haben und für drei Prozent der globalen Reserven stehen. Drei Prozent der Suchbemühungen dagegen, so rechnet Maugeri vor, entfielen auf den Nahen Osten. Saudi-Arabien, Russland und die Region um das Kaspische Meer sind laut Maugeri untererschlossen: Es fehlte lange an Suchbemühungen, und es mangelt gelegentlich an technischem Knowhow.

Investitionen steigen wieder nennenswert

Global steigen die Investitionen in die Suche und Förderung seit 2002 wieder nennenswert. Sechs bis acht Jahre dauert es dann, bis neue Vorkommen erschlossen sind. Das zumindest gibt die Hoffnung, dass das Öl uns noch erhalten bleibt. Wenn es überhaupt eine Hoffnung ist.

Öl hat neben den großen Vorteilen natürlich entscheidende Nachteile. Die Abgase der Verbrennung schaden Umwelt und Klima. Diese Erkenntnis verstärkt die globalen Bemühungen, vom Öl loszukommen, und gibt der Suche nach einer Alternative Rückenwind. Ein bisschen wird es noch dauern. Doch irgendwann wird eine neue Technologie billiger und besser als der Versuch, den letzten Tropfen aus den Ölvorkommen herauszupressen. „Die Steinzeit endete nicht, weil wir keine Steine mehr hatten, und die Ölzeit wird nicht enden, weil uns das Öl fehlt“, sagt der frühere saudische Ölminister Achmed Yamani.



Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24.02.2008, Nr. 8 / Seite 54
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.

 

1 Posting, 23 Tage LauravrpvaLöschung

 
  
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23.04.21 02:36

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Zeitpunkt: 23.04.21 15:41
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