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Rücktrittskurse


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Neuester Beitrag: 24.06.07 13:21
Eröffnet am: 10.02.07 16:43 von: 10er Anzahl Beiträge: 2
Neuester Beitrag: 24.06.07 13:21 von: Mme.Eugenie Leser gesamt: 5.971
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10.02.07 16:43

Peinliche Kursbewegungen

Wenn die Börse den Abschied von Managern feiert

Von Stefan Ruhkamp, Frankfurt




10. Februar 2007 
Jeder Unternehmenslenker sollte sich freuen, wenn der Aktienkurs seines Unternehmens in die Höhe schießt. Das ist bei börsennotierten Gesellschaften das höchste Lob der Eigentümer für die Arbeit des leitenden Angestellten. Doch es gibt peinliche Ausnahmen: Manchmal treibt gerade die Hoffnung auf ein Ausscheiden des Vorstandsvorsitzenden den Kurs nach oben. Einer dieser Fälle ist der Kurssprung der TUI-Aktie. Sie schoss am Donnerstag um 5 Prozent in die Höhe, nachdem Gerüchte über das bevorstehende Ausscheiden von TUI-Chef Michael Frenzel aufgewärmt worden waren. Daran änderte auch das Dementi des Reisekonzerns zum angeblichen Rücktritt nichts.

Im Händler-Jargon heißen solche Kursreaktionen Schrempp-Effekt, benannt nach dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Daimler-Chrysler AG. Sein Ausscheiden brachte den Aktionären vor zwei Jahren schon am Tag der Ankündigung einen Wertzuwachs von mehr als 8 Prozent ein, und es folgten bis zum Vollzug des Wechsels zu Dieter Zetsche weitere Kursgewinne.

Wie gehen Investoren mit Spitzenpersonalien um?

Die befreiende Wirkung des Ausscheidens ist in diesem Fall sogar amtlich. Denn die Aufsichtsbehörde Bafin nahm Ermittlungen auf. Das Oberlandesgericht Stuttgart muss nun entscheiden, ob Daimler-Chrysler über die kurstreibende Personalie rechtzeitig entschieden oder ob die Gesellschaft die Pflicht zu einer Ad-hoc-Mitteilung verletzt hat.

Wie gehen professionelle Investoren mit den Spitzenpersonalien um? „Trotz der mitunter großen Kurssprünge sind für uns die Personalspekulationen ein Randaspekt - allerdings nur kurzfristig“, sagt Michael Muders, Fondsmanager bei Union Investment. Hintergrund der Spitzenpersonalien sei die Hoffnung der Anleger, dass ein anderer Manager das Unternehmen neu ausrichte und zum Beispiel über Zu- oder Verkäufe anders entscheide. Das seien aber Entwicklungen, die eher längerfristig wirkten. „Wir achten aber gleichwohl sehr genau auf die Qualität des Managements“, sagt Muders. „Und dafür ist das persönliche Gespräch unumgänglich, um sich ein eigenes Bild zu machen.“

„Kurssprünge nicht unbedingt ein schlechtes Zeugnis“

Ein guter Manager müsse sein Geschäft genau kennen, er müsse zum Beispiel eine Vorstellung haben, wie sich der freie Mittelzufluss seiner Gesellschaft in der Zukunft entwickeln könne, sagt Muders. Wer bei solchen Detailfragen zu Daten und Fakten ausweiche, hinterlasse einen schwachen Eindruck. Ähnlich negativ wirkten wachsweiche Antworten bei der Frage nach dem möglichen Verkauf von unrentablen Unternehmensteilen. „Es kommt gar nicht darauf an, ob der Vorstand die Vorstellungen der Analysten über einen Verkauf teilt oder die Sparte lieber im eigenen Haus behält“, erläutert Muders.

Viel wichtiger sei, ob er seine Entscheidung und die damit verbundene Strategie schlüssig erläutern könne. „Kurssprünge beim Ausscheiden sind nicht unbedingt ein schlechtes Zeugnis für einen Manager“, sagt Michael Sieghart, Fondsmanager bei der DWS. Die Köpfe ständen vielmehr für Strategien. Wenn eine Strategie von der Börse als falsch und als Belastung empfunden werde, könne die Aussicht auf einen Personalwechsel und damit eine andere Strategie durchaus befreiend wirken.

Vergleiche nur über längeren Zeitraum aussagekräftig

So orientieren sich professionelle Anleger. Doch was können Privatanleger tun, die keinen persönlichen Kontakt zum Vorstand haben? „Aus dieser Warte kann man Qualität nur erkennen, wenn man die Entwicklung des Unternehmens mit der Branche vergleicht“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Ein Warnhinweis sei zudem, wenn Prognosen häufig nicht eingehalten würden.

„Dann muss der Manager nicht unbedingt schlecht sein, ist aber vielleicht der falsche für das Unternehmen.“ Allerdings seien solche Vergleiche nur über einen längeren Zeitraum aussagekräftig, relativiert Kurz. Denn gerade Neulinge an der Spitze neigten dazu, im ersten Jahr ein überaus schlechtes Ergebnis zu präsentieren und es implizit dem Vorgänger anzulasten, um dann unbelastet und von niedrigem Niveau aus durchzustarten.

Lichtgestalten können auch zum Risikofaktor werden

Übrigens muss der Personaleffekt nicht immer peinlich für den Manager sein. Denn die Aktionäre feiern gelegentlich auch den Zugang einer Spitzenkraft. So sprang zum Beispiel der Kurs von Volkswagen an einem einzigen Tag um 8 Prozent, als die Berufung des ehemaligen Mercedes-Managers Wolfgang Bernhard publik wurde. Gerüchte über eine mögliche Rückkehr zu Daimler-Chrysler reichten im vergangenen November für einige Prozent Tagesgewinn bei der Aktie der Stuttgarter.

Ebenso viel bewirkte vor wenigen Tagen die Rückkehr von Unternehmensgründer Michael Dell auf den Chefposten des Computerherstellers Dell. Derartige Lichtgestalten können allerdings auch zum Risikofaktor werden. Auf Apple spezialisierte Analysten fragen sich schon heute, wie es mit der Gesellschaft weitergeht, wenn Steve Jobs, der Gründer und derzeitige Chef des Technologiekonzerns, einmal ausscheidet.

Auch Politiker können Freudensprünge verursachen

Ebenso häufig ist allerdings auch der Frust-Gewinn beim Ausscheiden von ungeliebten Managern: Beispiele dafür sind Ron Sommer bei der Telekom oder kürzlich bei Sun Microsystems die Rücktrittsankündigung von Scott McNealy, welche den Börsenwert des Unternehmens um 8 Prozent steigerte.

Es sind aber nicht nur Manager, die Kursbewegungen auslösen. Einen der größten Freudensprünge des Deutschen Aktienindex verursachte ein Politiker: Oskar Lafontaines Rücktritt als Finanzminister der rot-grünen Koalition trieb den Dax am 12. März 1999 um 5 Prozent in die Höhe. Mit anderen Worten: Der Sozialist erhöhte das Vermögen der Aktionäre um etwa 30 Milliarden Euro - an einem Tag.

Text: F.A.Z., 10.02.2007, Nr. 35 / Seite 19
Bildmaterial: F.A.Z.
 

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7253 Postings, 5028 Tage Mme.EugenieUn up

 
  
    #2
24.06.07 13:21

Da gibt es sicher noch mehr Beispiele, wird oft gar nicht registriert von den Börsianern , ist aber so!_

__________________________________________________ "Malo mori quam foederari - Lieber sterben als sich entehren"

 

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