Der Iran-Quiz Teil 1


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533 Postings, 4492 Tage pedrusDer Iran-Quiz Teil 1

 
  
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Von JEFFREY RUDOLPH, 5. Mai 2010 -

Gibt es  möglicherweise eine Rechtfertigung für das erbarmungslose Trommelfeuer  der US-Diplomatie und der Mainstream-Medien auf den Iran?

Die  Behauptung, der Iran sei ein aggressiver Staat, der seine Nachbarn  gefährde, ist nicht durch Fakten zu belegen. Die Anwürfe lassen sich  auch nicht damit erklären, dass der Iran am islamischen Fundamentalismus  festhält, eine mangelhafte Demokratie hat und den Frauen die vollen  westlichen Bürgerrechte verweigert, weil Saudi-Arabien noch  fundamentalistischer und undemokratischer ist, die Frauen noch stärker  unterdrückt und trotzdem mit den USA verbündet ist. Es kann auch nicht  daran hängen, dass der Iran seit Jahren ein Atomforschungs-Programm  betreibt und wahrscheinlich auch die Fähigkeit zum Bau von Atomwaffen  anstrebt, denn Pakistan, Indien, Israel und andere Staaten besitzen auch  Atomwaffen und sind den USA trotzdem als Verbündete willkommen – obwohl  Israel die USA getäuscht hat, als es Atomwaffen entwickelte.

Auf  die oben gestellte Frage gibt es ganz offensichtlich nur eine Antwort:  Der Iran muss bestraft werden, weil er es wagt, sich der Kontrolle durch  die USA zu entziehen. Seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979, als  der Schah entthront wurde, versucht der Iran unabhängig zu handeln –  ganz anders, als zum Beispiel Saudi-Arabien – und stellt dadurch die  Macht der USA auf zweierlei Art in Frage: 1. Die Missachtung des Diktats  der USA gefährdet das Erreichen der in Bezug auf den Iran verfolgten  US-Ziele, und 2. der Widerstand gegen das Diktat der USA ist (aus deren  Sicht) ein „schlechtes“ Beispiel für andere Länder, die auch einen  unabhängigen Kurs verfolgen möchten. Der Schah konnte sich alle  möglichen Verfehlungen leisten – zum Beispiel die unter seinem Regime  weit verbreitete Folter – denn seine Loyalität gegenüber den USA  schützte ihn vor US-Angriffen; sie schützte ihn aber nicht vor der  Verachtung der Mehrheit der Iraner, die ihn ja dann auch stürzten.

Das  folgende Quiz ist ein Versuch, mehr Objektivität in die in den  Mainstream-Medien geführte (einseitige) Diskussion über den Iran zu  bringen.

Quiz-Fragen (und Antworten) zum Iran:

(Um  den Lesern ein ständiges Hin und Her zu ersparen, wurden in der  Übersetzung die im Originaltext erst nach allen Fragen abgedruckten  Antworten den jeweiligen Fragen direkt zugeordnet.)

1.  Ist der Iran ein arabisches Land?
Antwort: Nein. Von allen  Völkern im Mittleren Osten, die von den Arabern unterworfen wurden,  haben nur die Iraner (oder Perser) ihre Sprache und ihre Identität  bewahrt. Die iranische Bevölkerung besteht zu 60 Prozent aus Persern,  und ein modernes Persisch (Farsi, nicht Arabisch) ist die offizielle  Sprache; der Iran ist kein Mitglied der Arabischen Liga, und die meisten  Iraner sind schiitische Muslime, während die meisten Araber sunnitische  Muslime sind. Wegen seiner Sprache, seiner Herkunft und seiner Religion  ist der Iran kein arabisches Land. (1)

2. Hat der Iran  seit dem Jahr 1900 einen aggressiven Eroberungskrieg gegen ein anderes  Land geführt?
Antwort: Nein. Nach Juan Cole, der Professor  für Geschichte am Richard P. Mitchell-Kolleg der University of Michigan  ist, hat der Iran seit mindestens 150 Jahren keinen derartigen Krieg  begonnen. (2)
Es sollte auch gewürdigt werden, dass der Iran nicht  den Krieg zwischen dem Irak und dem Iran in den 1980er Jahren angefangen  hat. „Der Krieg begann mit einem Überfall des Iraks auf den Iran, der  am 22. September 1980 mit gleichzeitigen Angriffen aus der Luft und auf  dem Boden erfolgte; vorausgegangen waren jahrelange Grenzstreitigkeiten  und die Befürchtung eines Aufstands der lange unterdrückten schiitischen  Mehrheit der irakischen Bevölkerung durch den Einfluss der Iranischen  Revolution. Der Irak wollte mit diesem Krieg den Iran als führende Macht  am Persischen Golf ablösen.“ (3)

3. Wie viele  Bombenanschläge iranischer Selbstmordattentäter sind von 1989 bis 2007  bekannt geworden?
Antwort: Null. Seit dem Ende des Krieges  zwischen dem Irak und dem Iran im Jahr 1988 hat es keinen einzigen  Anschlag eines iranischen Selbstmordattentäters gegeben. (4)
Nach  Baer, einem amerikanischer Autor, der früher als CIA-Agent im Mittleren  Osten tätig war, ist es wichtig zu wissen, dass der Iran (im Krieg mit  dem Irak) Selbstmordattentäter nur als „gelenkte Bomben“ eingesetzt hat.  Tatsächlich gibt es kaum einen Unterschied zwischen einem so geopferten  Selbstmordattentäter und einem Marineinfanteristen, der ein  Maschinengewehrnest aushebt, obwohl er weiß, dass er dabei sterben wird.  Während der Iran Selbstmordattentäter nur für taktische militärischen  Zwecke eingesetzt hat, richten sunnitische Extremisten ihre  Selbstmordattentate vor allem gegen zivile Ziele, um den Feind zu  schwächen oder Unreine zu beseitigen.

4. Wie viel hat  der Iran im Jahr 2008 für seine Verteidigung ausgegeben?

Antwort:  9,6 Milliarden Dollar (5)

5. Was haben die USA im Jahr  2008 für Verteidigung ausgegeben?

Antwort: 692 Milliarden  Dollar (6)
Es bestehen auch kaum Zweifel daran, dass Israel den Iran  in einem konventionellen Krieg in wenigen Stunden besiegen könnte. (7)

6.  Wie ergeht es den Juden im Iran?
Antwort: Im Iran leben  25.000 Juden. Es ist eine der vielen Paradoxien in der Islamischen  Republik Iran, dass dieser antiisraelische Staat den bei weitem größten  jüdischen Bevölkerungsanteil aller muslimischen Länder hat. Nach der  Islamischen Revolution im Jahr 1979 reisten Tausende von Juden nach  Israel, Westeuropa oder in die USA aus, weil sie fürchteten, verfolgt zu  werden. Aber Ayatollah Chomeini, der erste höchste Führer des Iran,  erließ nach seiner Rückkehr aus dem Exil in Paris eine Fatwa (eine  religiös begründete Anordnung), die bestimmte, dass die Juden und andere  religiöse Minderheiten geschützt werden sollten; danach wanderten nur  noch sehr wenige Juden aus. (8)

7. Welcher iranische  Führer hat Folgendes gesagt? „This [Israel's] Occupation regime over  Jerusalem must vanish from the page of time.”
(Dieses  israelische Besatzungsregime über Jerusalem muss im Lauf der Zeit  verschwinden.)
Antwort: Ruhollah Chomeini (9)
Diese Erklärung des  Führers der Iranischen Revolution von 1979 war keine Überraschung, weil  Israel ein enger Verbündeter sowohl der USA als auch des Schah war.
Nach  Cole hat Ahmadinedschad im Jahr 2005 diese Erklärung nur wiederholt,  eine Nachrichtenagentur hat dann aber folgende falsche englische  Übersetzung der Chomeini-Erklärung verbreitet: „Israel must be wiped off  the face of the map.” (Israel muss von der Vorderseite der Landkarte  gewischt werden.) Chomeini hatte also nur von dem Besatzungsregime und  nicht von (dem Staat) Israel gesprochen; er hat sich nur das  Verschwinden des (Besatzungs-)Regimes gewünscht, aber keine Drohung  gegen (den Staat) Israel ausgestoßen. Tatsächlich kann ein Regime auch  ohne äußere Einwirkung untergehen, wie das Schah-Regime im Iran oder die  UdSSR. Es ist doch bemerkenswert, dass kein internationaler Aufschrei  erfolgte, als Chomeini diese Erklärung im Jahr 1979 abgab. Anfang der  1980er Jahre ließ Chomeini Israel sogar noch mit Erdöl beliefern, als  Gegenleistung für amerikanische Ersatzteile für iranische Waffen, die  (unter dem Schah) in den USA gekauft worden waren. Da sowohl der Iran  als auch Israel den Irak Saddams als gefährlichen Feind betrachteten,  gingen sie in der Anfangsphase des Krieges zwischen dem Irak und dem  Iran sogar eine stillschweigende Allianz ein. Es sollte auch zur  Kenntnis genommen werden, dass Ahmadinedschad anschließend erklärte, er  wolle keinen einzigen Juden töten, sehe aber nur in einem gemeinsamen  Staat die Möglichkeit, den israelisch-palästinensischen Konflikt  beizulegen. Ahmadinedschads Lösungsvorschlag hat wohl keine Chance, aber  Israels Weigerung, ernsthaft über einen dauerhaften Frieden zu  verhandeln, kommt den arabischen Hardlinern entgegen, die keinen an den  Realitäten orientierten Friedensschluss mit Israel wollen.

8.  Wahr oder unwahr? Das iranische Fernsehen strahlte während der ersten  Amtszeit des Präsidenten Ahmadinedschad eine Sendereihe über den  Holocaust aus, die Mitgefühl mit den Juden weckte.
Antwort:  Wahr. Das iranisches Fernsehen sendete eine viel beachtete Reihe über  den Holocaust mit dem Titel „Zero Degree Turn“ (Null Grad Umdrehung),  die auf wahren Berichten über die Rolle beruhte, die persische  Diplomaten im Zweiten Weltkrieg in Europa bei der Rettung tausender  Juden spielten. (10)

9. Wie viel Prozent der Studierenden  an den iranischen Universitäten sind Frauen?
Antwort: Mehr  als 60 Prozent (11)
Viele Frauen – sogar verheiratete – sind  berufstätig.

10. Wie viel Prozent der iranischen  Bevölkerung nehmen an den Freitagsgebeten teil?

Antwort:  1,4 Prozent (12)

11. Wahr oder unwahr? Der Iran hat im  Jahr 2002 dem Friedensangebot der Arabischen Liga an Israel offiziell  zugestimmt.
Antwort: Wahr. Im März 2002 beschloss der  Gipfel der Arabischen Liga in Beirut einstimmig eine Friedensinitiative,  in der nicht nur die Anerkennung des Staates Israel, sondern auch die  Aufnahme normaler diplomatischer Beziehungen angeboten wurde, sobald  Israel die international anerkannten Bedingungen für einen umfassenden  Frieden akzeptiert, zu denen der Rückzug Israels aus allen besetzten  Gebieten und eine gerechte Lösung des palästinensischen  Flüchtlingsproblems gehören. Dieses Friedensangebot wurde seither  mehrfach wiederholt, zuletzt im März 2009 auf dem Gipfel der Arabischen  Liga in Doha.
Alle 57 Mitglieder der Organisation der Islamischen  Konferenz, einschließlich des Iran, „unterstützen die arabische  Friedensinitiative zur Lösung des Palästinenser-Problems und anderer  Probleme im Mittleren Osten ... und haben beschlossen, alle  Möglichkeiten zu nutzen, um dieser Initiative zu einem vollen Erfolg zu  verhelfen und internationale Unterstützung für ihre Durchsetzung zu  gewinnen.“ (13)

12. Welche beiden Staaten waren für den  1953 inszenierten Sturz der populären iranischen Regierung des  demokratisch gewählten Premierministers Mohammad Mossadegh  verantwortlich, weil sie die von ihm beabsichtigte Verstaatlichung der  iranischen Ölvorkommen verhindern wollten?
Antwort: Die USA  und Großbritannien. (14)
Nach Kinzer waren die Iraner verärgert, weil  die in britischem Besitz befindliche anglo-iranische Ölfirma AIOC ihre  Gewinne aus dem iranischem Erdöl nicht ehrlich mit dem Iran teilte;  daraufhin versuchte das Majlis, das iranische Parlament, mit der AIOC  die Verteilung neu auszuhandeln. Als die AIOC die Neuverhandlung  zurückwies, brachte Mossadegh das Verstaatlichungsgesetz ein. Als  Antwort organisierten Großbritannien und die USA einen globalen Boykott  gegen den Iran, der die iranische Wirtschaft ins Chaos stürzte. Später  wurde ein militärischer Staatsstreich inszeniert, der den Schah an die  Macht brachte. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass Großbritannien  selbst in den 1940er und 1950er Jahren mehrere Industriezweige  verstaatlichte.

13. Wer machte am 17. März 2000 folgende  Aussage? „1953 spielten die USA eine wichtige Rolle beim  Sturz des populären iranischen Premierministers Mohammad Mossadegh. Die  Eisenhower-Regierung glaubte, ihre Einmischung sei aus strategischen  Gründen gerechtfertigt. Der Coup war aber ein deutlicher Rückschlag für  die politische Entwicklung des Iran. Und es ist leicht einzusehen, warum  viele Iraner den USA dieses Eingreifen in ihre inneren Angelegenheiten  auch heute noch übelnehmen.“
Antwort: Madeleine Albright, die  von 1997-2001 Außenministerin der USA war. (15)


533 Postings, 4492 Tage pedrusDer Iran-Quiz Teil 2

 
  
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14.  Welche Staaten haben den SAVAK, die brutale Geheimpolizei des Schahs,  ausgebildet?

Antwort: William Blum, ein angesehener  US-Autor und Journalist, schrieb darüber: „Der berüchtigte iranische  Geheimdienst SAVAK, der routinemäßig folterte, wurde unter Leitung der  CIA und des israelischen Geheimdienstes in den 1950er Jahren geschaffen.  Nach Aussage des früher mit dem Iran befassten CIA-Analysten Jesse J.  Blatt wurden Agenten des SAVAK von der CIA in Foltertechniken  unterwiesen. Nach der 1979er Revolution fanden die Iraner einen Film  über das Foltern von Frauen, den die CIA für den SAVAK angefertigt  hatte.“ (16)
Darius Rejali, der Professor am Reed College und einer  der führenden Experten der Welt für die Folter und ihre Folgen für die  moderne Gesellschaft ist, schrieb darüber: „Die Iranische Revolution von  1978/79 war eine Revolution gegen die Folter. Als der Schah Chomeini  als einen schwarzgekleideten islamischen Zurückgebliebenen aus dem  Mittelalter kritisierte, antwortete Chomeini: „Seht euch den an, der das  sagt, das ist der Mann, der foltern lässt.“ Mit dieser starken  Erwiderung hat er die Menschen bis heute für sich gewon nen. Sie  schlossen sich der revolutionären Opposition vor allem wegen der  Brutalität des Schahs an, und sie erinnern sich immer noch daran, wer  ihm die Macht verschaffte. Wenn irgendjemand wissen will, warum die  Iraner die USA hassen, muss er nur fragen, wer die Folter in den Iran  gebracht hat. Die Folter hat nicht nur die Revolution verursacht, sie  hat auch die Beziehungen des Iran zum Westen vergiftet. Warum sollten  die Iraner dem Westen wieder vertrauen? Die iranische Führung tut es  jedenfalls nicht.“ (17)

15. Hat der Iran Atomwaffen?

Antwort:  Nein. „Wir nehmen mit hoher Wahrscheinlichkeit an, dass Teheran im  Herbst 2003 sein Atomwaffen-Programm eingestellt hat.“ ... „Wir nehmen  mit hoher Wahrscheinlichkeit an, dass der Iran vor 2015 nicht über die  technischen Fähigkeiten verfügen wird, die zur Produktion und zur  Wiederaufbereitung von genügend Plutonium für den Bau einer Atomwaffe  notwendig sind. (18)
Lt. Gen. (Generalleutnant) Ronald Burgess, der  Chef der U.S. Defense Intelligenc Agency (des US-Militärgeheimdienstes)  sagte (am 15. Januar 2010): „Die grundlegenden Bewertungen aus der  National Intelligence Estimate Iran (aus der gemeinsamen Einschätzung  aller US-Geheimdienste zum Iran ) treffen immer noch zu. … Es gibt keine  Anzeichen dafür, dass sich die (iranische) Regierung für ein neues  Atomwaffen-Programm entschieden hat.“ (19)

16. Hat der  Iran den Nuclear Non-Proliferation Treaty / NPT (den Vertrag über die  Nichtverbreitung von Kernwaffen) unterzeichnet?

Antwort: Ja  (20)

17. Hat Israel den NPT unterzeichnet?
Antwort:  Nein (21)

18. Gestattet der NPT einem  Unterzeichnerstaat, ein Atomprogramm zu haben?
Antwort: Ja.  Juan Cole sagt dazu: Der NPT legt fest. „Dieser Vertrag ist nicht so  auszulegen, als werde dadurch das unveräußerliche Recht aller  Vertragsparteien beeinträchtigt, unter Wahrung der Gleichbehandlung und  in Übereinstimmung mit den Artikeln I und II die Erforschung, Erzeugung  und Verwendung der Kernenergie für friedliche Zwecke zu entwickeln.“  (22) Deshalb nimmt der Iran, so lange er seinen durch Unterzeichnung des  NPT eingegangenen Verpflichtungen nachkommt und Inspektionen der  International Atomic Energy Agency / IAEA zulässt, nur sein Recht wahr.  Die Art von Forschungseinrichtungen, die der Iran betreibt, sind in  industrialisierten Ländern üblich. Die wirklichen Probleme sind  Vertrauen und Transparenz und nicht nur technologisch bedingt. Der Iran  hat seine nach dem NPT eingegangenen Verpflichtungen allerdings nicht  immer erfüllt.
Die Ford-Regierung hat Mitte der 1970er Jahre ein  Memorandum verfasst, in dem festgestellt wurde, dass sich das  Schah-Regime auf die Zeit … „vorbereiten muss, wenn die iranische  Erdölgewinnung erwartungsgemäß stark absinkt“. Weil der Iran große  Ölreserven hat, waren die Befürchtungen damals unberechtigt. Aber der  Iran verbraucht heute bereits 2 Millionen der pro Tag geförderten 4  Millionen Barrels selbst, und er könnte deshalb in relativ naher Zukunft  vom Erdöl-Exporteur zum Importeur werden. Das erklärt auch, warum sich  der Iran um die Nutzung der Kernenergie bemüht. Aber auch der Wunsch,  Atomwaffen zu besitzen, ist nicht ganz auszuschließen. (US-Präsident)  Ford hat auch den Bau einer Anlage zur Wiederaufbereitung von Plutonium  im Iran genehmigt; die hätte es dem Land ermöglicht, den  Brennstoffkreislauf zu schließen, und wäre ein weiterer Schritt zum  möglichen Bau einer Atombombe gewesen.
In den 1970er Jahren  schlossen die US-Firmen General Electric / GE und Westinghouse Verträge  zum Bau von acht Kernreaktoren mit dem Iran ab. Der Schah drohte damit,  dass der Iran Atomwaffen bauen könnte – ohne irgendwelche nachteiligen  Folgen, außer einigen Rügen aus den USA und aus Westeuropa. Im Gegensatz  dazu war Chomeini über die Idee, Massenvernichtungswaffen zu benutzen,  entsetzt, und lehnte es ab, im Krieg zwischen dem Irak und dem Iran  Giftgas einzusetzen, obwohl Saddam diese Skrupel nicht hatte und häufig  Senfgas und Sarin gegen die iranischen Truppen verwendete. (23)

19.  Wer schrieb im Jahr 2004 folgenden Text? „Wohin auch immer  US-Truppen sich begeben, sie führen immer Atomwaffen mit sich oder  können sie in Kürze nachfolgen lassen. Die Welt hat miterlebt, wie die  USA den Irak angriffen – völlig grundlos, wie sich später herausstellte.  Wenn die Iraner nicht versuchen würden, Atomwaffen zu bauen, wären sie  doch verrückt. Obwohl der Iran von islamischen Fundamentalisten  beherrscht wird, trauen die meisten Kommentatoren, die mit dem Land  vertraut sind, seiner Regierung keine irrationalen Handlungen zu. ...  Saddam Hussein hat den Iran angegriffen, nicht umgekehrt, und seither  hat sich der Iran nicht aggressiver verhalten, als die meisten anderen  Staaten. Trotz ihres ganzen Geredes über die Feindschaft mit Israel wird  die iranische Führung kaum einen Atomangriff auf ein Land wagen, von  dem sie weiß, dass es alles hat, was man braucht um den Iran von der  Landkarte zu wischen. Auch Angriffe mit chemischen oder anderen Waffen  sind wegen der zu erwartenden dürftigen Ergebnisse eher  unwahrscheinlich, weil mit ziemlicher Sicherheit die Vergeltung folgen  würde.“
Antwort: Es war Martin van Creveld, der bedeutende  Professor für Militärgeschichte und Strategie an der hebräischen  Universität in Jerusalem. (24)
Es sollte niemand überraschen, dass es  Creveld für verständlich hält, wenn der Iran nach Atomwaffen strebt.  „Seit mehr als einem halben Jahrhundert haben Großbritannien und die USA  den Iran bedroht. 1953 stürzten die CIA und der (britische  Geheimdienst) MI6 die demokratische Regierung von Mohammed Mossadegh,  der ein glühender Nationalist war und die Meinung vertrat, das iranische  Öl gehöre dem Iran. Sie inthronisierten den korrupten Schah und  errichteten mit Hilfe ihrer monströsen Neuschöpfung, genannt SAVAK,  einen der übelsten Polizeistaaten des 20. Jahrhunderts. Die Islamische  Revolution von 1979 war unvermeidlich und forderte viele Opfer; aber sie  war nicht monolithisch und unter dem Druck des Volkes und einer aus der  Elite erwachsenden Bewegung begann sich der Iran der Außenwelt zu  öffnen – obwohl er von Saddam Hussein überfallen wurde, den die USA und  Großbritannien ermutigt und unterstützt hatten.
Die ganze Zeit  musste der Iran mit der realen Bedrohung eines israelischen Angriffs –  möglicherweise sogar mit Atomwaffen – leben, über die die  'internationale Gemeinschaft' geschwiegen hat.“ (25)

20.  Wie viel Prozent der Iraner haben 2008 geäußert, dass sie eine schlechte  Meinung über die USA hätten?

Antwort: 20 Prozent  (26)

21.  Wie viel Prozent der Iraner haben 2008 negative Gefühle gegenüber der  Bush-Regierung ausgedrückt?

Antwort: 75 Prozent (27)
Man  fragt sich wie viel Prozent der Kanadier – oder der US-Amerikaner – die  gleichen Gefühle hatten?

22. Was waren die Hauptelemente  des Vorschlags, den die iranische Regierung 2003 den USA nach der  Invasion des Iraks unterbreiteten, und wie haben die USA darauf  reagiert?
Antwort: Die Washington Post berichtete:  „Unmittelbar nach der blitzschnellen Einnahme Bagdads durch US-Truppen …  spuckte das Faxgerät der Nahost-Abteilung im (US-)Außenministerium ein  ungewöhnliches zweiseitiges Dokument aus. Darin schlug der Iran den USA  einen breiten Dialog über alle bestehenden Probleme vor – auch über eine  enge Zusammenarbeit bei Atomprogrammen, die Anerkennung Israels und der  Beendigung der iranischen Unterstützung für militante palästinensische  Gruppen. Spitzenleute der Bush-Administration, die vom baldigen  Zusammenbruch der iranischen Regierung überzeugt waren, gingen nicht auf  das Angebot ein. Stattdessen beschwerten sie sich formell beim  Botschafter der Schweiz, der das Fax geschickt hatte – mit einem  Begleitbrief, der bestätigte, dass der Vorschlag tatsächlich aus  iranischen Regierungskreisen stammte.“ (28)

23. Wahr oder  unwahr? Der Iran und die USA betrachteten nach den Anschlägen am 11.9.  beide die Taliban als Feinde.

Antwort: Wahr. Ali M. Ansari,  Professor für iranische Geschichte an der University of St. Andrews,  schreibt dazu: „(Der damalige iranische Präsident) Khatami zögerte nach  den Anschlägen am 11.9. nicht, dem US-Präsidenten sein Beileid  auszudrücken. … Die Iraner erkannten schnell die Gelegenheit, die sich  ihnen jetzt bot. Die USA waren entschlossen, Al Qaeda auszuschalten und  die Taliban wegen ihrer Sturheit gleich mit zu beseitigen.
Nichts  konnte den Iranern gelegener kommen, die seit fünf Jahren eine Art  Stellvertreterkrieg gegen die Taliban führten (29). … Die Zusammenarbeit  mit den USA, die während der Vertreibung der Taliban stattfand, schien  eine Periode der Entspannung zwischen dem Iran und den USA einzuleiten.  ... Deshalb wirkte es wie ein Schock, dass Präsident Bush sich dazu  entschlossen hatte, den Iran als Teil der 'Achse des Bösen' zu  etikettieren. … Die Hardliner des iranischen Regimes schienen Recht zu  haben, den USA konnte man nicht vertrauen.“ (30)

24.  Haben die USA mit der damals in Teheran angesiedelten Partei „Oberster  Rat für die Islamische Revolution im Irak“ vor und nach dem 2003  erfolgten Überfall auf den Irak zusammengearbeitet?
Antwort:  Ja. (31)
Man fragt sich, was sich die Bush-Regierung dabei dachte?  Muss man bei ihrem Verhalten nicht annehmen, dass sie gute Beziehungen  mit dem Iran unterhielt und eine islamische Revolution (im Irak)  unterstützen wollte?2007 änderte die Partei, die eine gute  Öffentlichkeitsarbeit machte, ihren Namen in „Oberster Islamischen Rat  im Irak“. (32)

25. Wer äußerte sich nach den Anschlägen  am 11.9. wie folgt? „Die Iraner hatten gute Kontakte zu  wichtigen Personen in Afghanistan und waren bereit, in Zusammenarbeit  mit den USA ihren Einfluss auf konstruktive Weise zu nutzen.“
Antwort:  Flynt Leverett, der von März 2002 bis März 2003 der leitende Direktor  für Angelegenheiten des Mittleren Ostens im U.S. National Security  Council (im Nationalen Sicherheitsrat der USA) war. Er verließ die  Regierung George W. Bushs im Jahr 2003 – wegen Meinungsverschiedenheiten  über die US-Politik im Mittleren Osten und die Führung des Krieges  gegen den Terror. (33)

26. Wer veröffentlichte im Jahr  2004 folgenden Text? „Es liegt im Interesse der USA, sich  speziell um den Iran zu bemühen, um die regionale Stabilität zu fördern,  den Iran davon abzubringen, sich Atomwaffen zu verschaffen, die  Energieversorgung zu sichern, die terroristische Bedrohung zu reduzieren  und das 'Demokratie-Defizit' abzubauen, das im Mittleren Osten  herrscht.“
Antwort: Eine Sonderkommission, die vom Council on  Foreign Relations (vom Rat für auswärtige Beziehungen) finanziert wurde,  der zwei angesehene Vertreter der US-Außenpolitik vorsaßen: der  ehemaligen CIA-Direktor Robert Gates und der ehemalige Nationale  Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski; sie empfahlen „eine revidierte  strategische Annäherung an den Iran“. Aus ihrem Bericht stammt das obige  Zitat. (34)



Jeffrey Rudolph

, ein Universitätsprofessor aus  Montreal, war der Vertreter Quebecs im East Timor Alert Network und  legte den Vereinten Nationen einen Bericht über seine Arbeit vor. Er  verfasste auch die weit verbreitete Zusammenstellung „

Kennen Sie das  Quiz zum israelisch-palästinensischen Konflikt

“.

 

Anmerkungen  oder Fragen zu beiden Texten können per E-Mail an folgende Adresse  gerichtet werden:

Israel-Palestine-Quiz@live.comDiese E-Mail-Adresse ist gegen  Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie  angezeigt werden kann.  

.


 

Der Artikel erschien im Original unter dem  Titel 

Can  You Pass The Iran Quiz

am 24. April 2010 bei Countercurrents.org.


 

Übersetzung:

Wolfgang Jung, Luftpost  Kaiserslautern


Anmerkungen:

1)    s.  http://www.slate.com/id/1008394/

 

2)    s. Juan Cole, Engaging the  Muslim World, Verlag Palgrave Macmillan; New York, 2009, S.199

 

3)     s. dazu http://en.wikipedia.org/wiki/Iran%E2%80%93Iraq_War und  http://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Golfkrieg

 

4)    Robert Baer: The  Devil We Know: Dealing with the New Iranian Superpower, Crown  Publishers, New York, 2008

 

5)    s. dazu  http://www.informationclearinghouse.info/article25279.htm

 

6)    s.  dazu http://www.informationclearinghouse.info/article25279.htm

 

7)     s. Juan Cole: Engaging the Muslim World, Verlag Palgrave Macmillan; New  York, 2009, S. 206/7

 

8)    s.  http://www.sephardicstudies.org/iran.html

 

9)    s. Juan Cole:  Engaging the Muslim World, Verlag Palgrave Macmillan; New York, 2009, S.  201

 

10)    s.  http://www.youtube.com/watch?v=eJljqWQAqCI&feature=related

 

11)     s. M. Axworthy: A History of Iran: Empire of the Mind, Basic Books, New  York, 2008

 

12)     ebenda

 

13)    s. Norman G. Finkelstein: This  Time We Went Too Far: Truth and Consequences of the Gaza Invasio, OR  Books, New York, 2010, S. 42

 

14)    s. Stephen Kinzer: All The Shah's  Men: An American Coup and the Roots of Middle East Terror, John Wiley  & Sons, Inc., New Jersey, 2008

 

15)    ebenda, S. 212

 

16)    s.  http://www.thirdworldtraveler.com/Blum/Torture_RS.html

 

17)    s.  http://www.harpers.org/archive/2008/02/hbc-90002387

 

18)    U.S.  National Intelligence Estimate Iran: Nuclear Intentions and  Capabilities, November 200, s.  http://www.dni.gov/press_releases/20071203_release.pdf

 

19)    s.  http://www.globalsecuritynewswire.org/gsn/nw_20100115_1438.php

 

20)     s. http://www.nytimes.com/aponline/2010/04/18/world/AP-ML-Iran.html

 

21)     s. http://www.nytimes.com/aponline/2010/04/18/world/AP-ML-Iran.html

 

22)     Der Originaltext wurde zitiert nach  http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/...tung/Downloads/NVV/NVV.pdf

 

23)     s. Juan Cole: Engaging the Muslim World, Verlag Palgrave Macmillan;  New York, 2009

 

24)    Sein Artikel ist aufzurufen unter  http://www.nytimes.com/2004/08/21/opinion/21iht-edcreveld_ed3_.html

 

25)     s. http://www.antiwar.com/orig/pilger.php?articleid=8533

 

26)    s.  Juan Cole: Engaging the Muslim World, Verlag Palgrave Macmillan; New  York, 2009, S. 197

 

27)    ebenda

 

28)    Der Artikel ist  nachzulesen unter  http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/...2006061700727_pf.html

 

29)     s. dazu  http://www.focus.de/politik/ausland/...-glaubenskrieg_aid_174002.html

 

30)     s. Ali M. Ansari: The Pahlavis and After, Second Edition, Pearson  Education, Great Britain, 2007, S. 331/32

 

31)    s. dazu  http://www.truthdig.com/report/item/...sh_created_a_theocracy_in_iraq

 

32)     s. dazu http://de.wikipedia.org/wiki/Oberster_Islamischer_Rat_im_Irak

 

33)     s. http://www.antiwar.com/orig/porter.php?articleid=8590

 

34)    s.  http://www.nybooks.com/articles/archives/2005/mar/...pagination=false

http://www.youtube.com/watch?v=yz2fzGILVfk

 

Quelle: Hintergrund.de

61594 Postings, 6099 Tage lassmichreinGibts das auch gekürzt ?!?

 
  
    #3
11.05.10 09:25

533 Postings, 4492 Tage pedrusgekürzt ist doch unintressant :-)

 
  
    #4
11.05.10 16:47

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